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Dienstag, 4. Oktober 2011

Show me yours, I'll show you mine - Blumfeld "Tausend Tränen tief"

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Blumfeld 1999
Wir möchten uns gegenseitig Musikvideos ans Herz legen, in der Hoffnung, dass auch unsere Leser vielleicht das ein oder andere Musikvideo entdecken, das ihnen gefällt und sie bis jetzt noch nicht kannten. Denn oft ist es ja so, dass die mitreißendsten Lobeshymnen für ein Musikvideo entstehen, wenn man jemand anderem näher darlegen möchte, warum gerade dieses Video so wundervoll ist.


Rita, das ist herausfordernd. Man wird auch etwas ungeduldig beim anschauen, wohl weil es erstmal eine Weile braucht, bis man begreift was überhaupt vor sich geht. Der Anfang mit den billigen Soundeffekten und kargen Landschaftsaufnahmen wirkt unzugänglich. Und dann auch noch diese Kostüme! Die sind großartig, aber auch ziemlich angsteinflößend. Alles in allem bleibt das karge an dem Video hängen. Mir gefällt, dass es so garnicht für den Mainstream gemacht ist. Dafür fordert es zuviel Aufmerksamkeit bzw. bietet zuwenig Anreize, sowohl im Bild als auch das Lied selbst. Ich habe einige Minuten gebraucht um mit dem warm zu werden, was ich sehe, aber am Ende hat es mir sehr gut gefallen. Schließlich ist es ja auch so gedacht, dass es erst am Ende 'Sinn' macht, sofern man das mit diesem Wort bezeichnen kann.

Wie gesagt, die Kostüme sind sensationell, vielleicht auch gerade wegen des Kontrastes zur menschenleeren, kargen Einöde. I like. Ohne Video hätte ich Schwierigkeiten das Lied durchzuhalten. Ich frag mich ob das jemals irgendwo gelaufen ist, also außerhalb von Viva 2 oder so...

Stichwort Viva 2. Beim folgenden Video finde ich das Logo nicht einmal störend, weil es in der Erinnerung für mich einfach zu solchen Musikvideos dazugehört.
Was sehen wir? Ich würde sagen: Punk. Es war nach 4 Jahren das erste Lebenszeichen (mal abgesehen von den Touren) von Blumfeld. Zuvor eher für verkopften Sprechgesang und Hau-drauf-Gitarrenwände bekannt und beliebt, sehen plötzlich alle dieses Video als erste Single zum neuen Album Old Nobody. Eine Irritierheit machte sich breit. Was machen Blumfeld da? Schlager?! Was ist das? Ein ehrliches, ungebrochenes Liebeslied?! Ja, das ist es. Aber sowas dann direkt als Schlager zu bezeichnen verfehlt es doch meilenweit. Sicher, es entspricht so garnicht den Hörgewohnheiten der meisten von uns, aber gerade deshalb ist es mit das gewagteste, was in den letzten 20 Jahren in der deutschsprachigen 'Indie'-Szene veröffentlicht wurde.

Das Video selbst arbeitet ebenfalls, wie auch das Lied, mit Ästhetik und getrageneren Bildern. Was passiert bleibt im Dunkeln. Was machen Jochen Distelmeyer und Helmut Berger da? Gediegenes Date?
Und was sagt uns die Schlusssequenz. Ich denke garnichts, es sollte nur eine große Auslassung eingebracht werden, um die Unklarheit ob des Inhalts zu verstärken.

Es war mutig, Blumfeld mit einem solch überaus konstruierten Liebeslied zu dekonstruieren. Es war neu, unverbraucht und ja, Punk. Gerade auch die Dekadenz, die im Video sehr betont wird, ist so in diesem Kontext nie gezeigt worden. Für die meisten Personen die ich kenne, ist Blumfeld eher Qual als Segen, aber ich kann gerade mit der ungebrochenen Phase (Graue Wolken, Die Welt ist schön, Sonntag, Status: Quo vadis etc.) viel mehr anfangen als mit den früher Blumfeld-Werken.

Ich erfreue mich an der Ästhetik des Machwerks, bin aber gespannt ob du nur die Nase rümpfst (was ich gut verstehen kann) oder dem Werk auch etwas positives abgewinnen kannst.

P.s. Eigentlich wollte ich erst das Graue Wolken-Video nehmen, weil ich es als ganz toll in Erinnerung hatte. Es ist auch sehr gut, aber ich glaube der Hauptgrund meines Tollfindens seinerzeit (O Gott, 10 Jahre, das kann nicht sein...das kann wirklich nicht sein! HILFE!) war wohl die Hauptdarstellerin, und dass allein ist natürlich kein tragfähiges Konzept für unsere Unterhaltung.

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