Montag, 30. März 2015

Funkelnagelneu: "Fairytale Tourist" von The Corner Laughers

Wir können schwerlich leugnen häufig dem Niedlichkeitspop zu frönen. Dieser existiert munter vor sich hin, und besonders superbe Tonträger erblicken noch von Zeit zu Zeit das Licht der Twee-Welt. Hier sehen wir die Corner Laughers aus San Francisco, inklusive Baby, Plüschtier und ulkigen Verkleidungen. Was will man mehr? Ein paar Bababadabas runden das Lied ab.

Ihr letztes Album Poppy Seeds ist ungemein empfehlenswert, und so verspricht auch dieser Vorbote vom neuen Album Matilda Effect viel Gutes. Wir warten gespannt auf den Rest.

Und, Twee's Not Dead! Wäre doch mal ein schöner T-Shirt-Aufdruck...

Montag, 23. März 2015

Video des Tages: "Advantage Points" von Chilly Gonzales & Kaiser Quartett

Welcher Popstar der Neuzeit hat welchen Seelenverwandten in der Klassik? Dieser schöne Artikel im Guardian bringt ein paar einleuchtende Beispiele.

Chilly Gonzales (musical genius) braucht keine Ahnen, mit denen er verglichen werden muss. Er kombiniert einfach die Welten, wie hier im Video zu 'Advantage Points' aus dem Album Solo Piano II: Chambers. So hätte es also ausgesehen, wenn beispielsweise der Johnny Bach hätte Musikvideos drehen können. Wer weiß, vielleicht träumte er sogar vom Crowdsurfen, aber erst der Herr Gonzales schafft es das auch bei klassischen Konzerten umzusetzen. Ein Hoch auf das 21. Jahrhundert, auch wenn die böse Popmusik unsere Welt zu einem einzigen Moloch der Gewalt gemacht hat, und sie nicht mehr so schön friedlich ist wie die anschaulich im Video gezeigte Welt der klassischen Musik von einst.

Donnerstag, 19. März 2015

Musik und Nebenwirkungen: Claquierende aller Länder, vereinigt euch!


Bekommt man das auch für 40€?

DRadio Wissen ist stets ein Quell sehr informativer Informationen (deswegen ist die Rundfunkgebühr auch nicht ganz so verkehrt). Und was müssen wir hören? Plattenlabels und geschäftstüchtige Bandmanager engagieren Menschen, die man früher wohl 'Jubelperser' hätte nennen können, um die Konzerte aufzupeppen. Es ist nicht nur die obskure Schilderung des Fallbeispieles im Beitrag, welche uns erschaudern lässt, sondern auch die Aussage vom Chef der Menschenvermietung, dass 99,9% aller Bands nichts davon wüssten.

Mittwoch, 18. März 2015

Funkelnagelneu: "Love Love Love Love Love" von Violent Femmes

Violent Femmes - Happy New Year EP (VÖ 18.04.2015)

Ja, doch, tatsächlich! Die Violent Femmes waren am 31. Dezember 2014 im Studio, und haben eine NEUE EP mit NEUEN Liedern aufgenommen. Dass ich das noch erleben darf...

Das letzte Album mit Neukompositionen stammt aus dem Jahr 2000, und zwischenzeitlich hatte man sich bereits aufgelöst und verklagt. 2002 hat Sänger Gordon Gano mit Hitting The Ground ein ziemlich gutes Soloalbum (mit GastsängerInnen) vorgelegt, Under The Sun von 2009 war hingegen recht enttäuschend. Mal sehen was die Good ol' Femmes zustande gebracht haben. Das erste Lebenszeichen der EP Happy New Year, 'Love Love Love Love Love', finden wir ganz ermutigend - und es sind weitere Aufnahmen angekündigt. Wir harren gespannt der EP und dem potentiellen neuen Album. Das EP Cover ist wunderhübsch, das ist doch ein gutes Zeichen.

Dienstag, 17. März 2015

Interview: Boo Hoo zur neuen EP 'Olympic Village Blues'

Boo Hoo - Olympic Village Blues EP

Als Spätentwickler haben wir Boo Hoo erst 2012 zu schätzen gelernt. Damals war er der goldrichtige Support für die Toby Goodshank-Tour. Bereits seit 2006 veröffentlicht Bernhard aka Boo Hoo in aller Regelmäßigkeit Alben und EPs. Die neueste EP stammt aus 2015, heißt Olympic Village Blues, und ist wie immer hervorragend gelungen. Wir haben ihn zu seinem neuesten Werk detailliert befragt:

Tante P: Deine neue EP heißt 'Olympic Village Blues'. Unsere Gedanken schweiften unweigerlich zum abgesperrten, im Zerfallsprozess befindlichen Olympischen Dorf im Speckgürtel Berlins. Dieser Anblick steht wie sonst kaum einer für den sehr kurzen Moment in der Geschichte, in dem es bedeutend war. Danach dreht sich die Erde weiter, und das Dorf verfällt im Stillen. Geht es dir im gleichnamigen Titelstück um den großen Moment, um die Zeit, die ihn in Vergessenheit geraten lassen wird, oder um etwas ganz anderes?

Boo Hoo: Konkret geht es im Song um eine Athletin, die damit nicht klarkommt dass das Olympische Dorf abgerissen wird, in dem sie damals wohnte. Sie schaut mit einem Auge in die Vergangenheit und sieht den Ort ihrer Erinnerung verschwinden. Sie ist traurig, hat dieses unbestimmte Gefühl zu nichts zu gehören, eben den Olympic Village Blues. Das ist ein Gefühl, das ich sehr oft habe und dem ich einen Namen geben wollte. Gerade in meiner Heimatstadt Frankfurt habe ich oft so eine Art Blues. Alles wird ständig neu gemacht und soll blitzblank und renoviert sein, damit die Touristen und die Eliten ihr Geld in der Stadt lassen. Die echte Stadt ist schon längst nur noch Fassade und selbst die wird ständig neu aufgebaut und wieder eingerissen, für das nächste große Ding. Ich glaube in dieser Welt der Hypergentrifizierung leben wir alle ein bisschen im Olympischen Dorf. Das finde ich scheiße.



Donnerstag, 12. März 2015

Dokuzeit - The Charlie Parker Story

Am 12. März 1955 starb Charlie Parker im Alter von nur 34 Jahren. Als der Rock'n'Roll geboren wurde, hatte er bereits den ungesunden Drogenteil bei Sex, Drugs & Rock'n'Roll gelebt und nicht überlebt. Seine Geschichte voller Exzesse, Dramen, und unfassbarem Talent ist überaus spannend und wird in der Doku recht gut durch Zeitzeugen und eindrucksvolle Aufnahmen erzählt. Es kommt alles zusammen, was legendäre Stories der Musikgeschichte ausmacht. Außerdem kann man Nerds zuhören, wie sie von Dissonanzen schwärmen. 

Und: Kinder, Finger weg von Heroin und Alkohol!

Bei der Tante Pop wurde bereits über einen anderen Ausnahme-Jazzsaxophonisten berichtet: Hier geht es zum lohnenswerten Gastbeitrag über Rashaan Roland Kirk.

Dienstag, 10. März 2015

Funkelnagelneu: "New York Ist Tot (Eigentum)" von Toni Kater

Das aktuelle Album von Toni Kater heißt EIGENTUM und ist seit Januar, zumindest bei iTunes, käuflich zu erwerben. Die Sache mit der Käuflichkeit wird im Titelstück treffend thematisiert, allerdings vor allem bezüglich der Zugrunderichtung (einst) schöner Städte durch Eigentumsaneigner. Interessanterweise ist dieser zerstörerische Prozess in den betroffenen Städten selten dermaßen negativ besetzt wie in Berlin. Metropolen leben vom stetigen Wandel, doch diese Form der Verwandlung saugt, wie im Lied treffend formuliert, systematisch das Leben aus den Städten. Aber grämen wir uns nicht, denkt lieber daran: bei einer Revolution sollten immer zuerst die Grundbuchämter niedergebrannt werden. Das kann man sich beispielsweise auf einen Post-It geschrieben über den Schreibtisch hängen, damit im Falle des Falles nicht die Zeit mit unnützem Vandalismus in der FDP-Zentrale vergeudet wird.

(PS Lieber Verfassungsschutz, denkt euch drei Zwinkersmileys hinter '...Grundbuchämter niedergebrannt werden'.) ;) ;) ;)