Mittwoch, 17. September 2014

Video des Tages: "Little red Go-Cart" von Throw that Beat in the Garbagecan!

Die interessanteste Reunion in Berlin am 13. September 2014 waren nicht Blumfeld im ausverkauften Astra, sondern Throw that Beat in the Garbagecan! im ausverkauften Lido. In Originalbesetzung bot die Band die erste (und vielleicht einzige) Show nach sagenhaften 17 Jahren Pause. Die Hits waren natürlich alle dabei, und der mittlerweile schulpflichtige Nachwuchs am Rand staunte wohl nicht schlecht über die wild herum hüpfenden Eltern vor der Bühne.

Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, und nach 24 Liedern und diversen Zugaben musste jenes 'Little red Go-Cart' aus Ermangelung an geprobten Stücken nochmal gespielt werden. Mal sehen ob das mit dem Hüpfen bei der nächsten Reunion, so ungefähr 2031, immernoch funktioniert.

Freitag, 12. September 2014

Musik und Nebenwirkungen: Forever Young. Oder: Liebe Musikschaffende, versucht bitte in Würde zu altern.

Ok, eigentlich ist das würdelos. Aber die Beach Boys bekommen eine Ausnahmegenehmigung,
weil der Umstand ansich doch schon recht spektakulär war.
Es wäre höchst unfair Personen des öffentlichen Lebens nicht die gleichen absurden Alterungsreflexe zuzugestehen, die auch der unbekannte, vor sich hin alternde Mensch hat. Der gewichtige Unterschied ist: Privat vor dem Spiegel sind gekränkte Eitelkeiten und zunehmende falsche Selbstbildnisse gut versteckt und die Umgebung konfrontiert den Menschen nicht permanent mit dem früheren Ich.

Sollte hingegen im jugendlichen Alter bis sagen wir mal 30 eine Berühmtheit ausgebrochen sein, so entsteht im Laufe der Jahrzehnte häufig ein ernstes Alterungsproblem. Keine Probleme hat man natürlich wenn man 1985 Element of Crime gegründet hat und noch nie etwas mit Jugendkultur zu tun hatte. Schwieriger wird es, wenn sich der Gründungsgedanke explizit auf jugendkulturelle Bewegungen stützt. In der Musik sind natürlich insbesondere Rock'n'Roll und Punk berüchtigt für die heikle Frage nach dem Verlauf der geistigen und körperlichen Entwicklung.
Der Vorgang, eine Jugendkultur konservieren zu wollen, hat schon etwas skurriles an sich. Es funktioniert sogar (oft) in finanzieller Hinsicht, da sich immer ausreichend gleichgesinnte Menschen finden, die sich über ihre konservierte Jugend freuen. Das sind dann wohl vornehmlich jene Personen, die im Badezimmerspiegel immernoch den agilen Twen mit vollem Haar sehen.

Mittwoch, 10. September 2014

Funkelnagelneu: "Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus" von Jens Friebe

Als Garant für liebevoll erdachte Titel enttäuscht Jens Friebe auch bei seinem mittlerweile 5. Album nicht. 'Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus' ist nur einer davon. (Unser Lieblingstitel in Titelbenennungsfragen ist allerdings '(I Am Not Born For) Plot Driven Porn'.)

Hier nun das spartanische, aber durchaus nicht unpassende Video zum Titelstück des neuen Albums. Hier kann auf seiner Homepage ins neue Werk reingehört werden. Der ein oder andere zukünftige Friebe-Klassiker wird eventuell dort zu hören sein, wie z.B. 'Schlaflied'.

Montag, 25. August 2014

Soundcloud Schau: Analog Africa

Was Youtube für Filmchen ist, ist Soundcloud bekanntlich für alles im Audiosektor. Die Massen an Material sind mittlerweile gigantisch, und man kann sich stundenlang in den Tiefen der guten und schlechten Cover, der fantastilliarden Podcasts und Mixe, sowie obskuren alten Schätzen verlieren.

Vor einigen Jahren gab es eine (mittlerweile hoffentlich leicht veraltete) Statistik, wonach ca. 90% aller aufgenommenen Musik weltweit nicht digital verfügbar sind, sondern zumeist in Form von Schallplatten und Schellackplatten versuchen die Jahre zu überdauern. Damit dieser Kulturschatz nicht unwiederbringlich schrumpft, ist es nötig diese unvorstellbar große Masse an Aufnahmen möglichst zügig zu digitalisieren. Was die große, unüberschaubare und vielfältige Kategorie 'Afrika' angeht, leistet Analog Afrika tolle Arbeit. Sie verhelfen alten Aufnahmen, überwiegend aus den 60er und 70er Jahren, zum Überdauern im 21.Jahrhundert:
Analog Africa releases unusual African music from the 70s, music with a certain twist that will surprise you or that you didn’t expect to hear from Africa, and that often had a strong impact on ist country of origin. Frequently these recordings - all fully licensed – were never released outside of Africa before. Considerable importance is also placed on detailed liners notes telling unusual stories about unusual musicians, complete with rare photographs, interviews and full discographies. - www.facebook.com/AnalogAfrica/info

Freitag, 22. August 2014

Video des Tages: "Never going back to school" von Stella

Ja ja, die Videoqualität ist wirklich bei den aktuellen Erwartungen an HQ und 3D nicht zumutbar, aber wir sehen jetzt alle mal gnädig drüber hinweg. 2004 war das absolut akzeptabel! Wir hören eines unserer Lieblingslieder der begabten Band Stella.
Ging es denn darum, die Themen Schule, Lernen, Abschluß prominent herauszustellen? Wie ein roter Faden laufen diese durch die Songs "Never Going Back To School", "Woman With A Beard", "Work For Love".

Ja, das kann man schon so sagen. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass man die Schule jetzt auch schon ein paar Jahre hinter sich gelassen hat und diese Zeit besser reflektieren kann. Außerdem findet man sich auch nach der Schule immer wieder in ähnlichen Institutionen, z.B. einer Band. Auch hier gibt es Hierarchien, es gibt Personen, die gerade die coolsten Klamotten oder die beste Platte haben, es gibt Cliquenbildung. Oder wenn man auf Tour ist und dann noch andere Bands dabei sind, hat man manchmal schon das Gefühl, man geht auf einen Schulausflug.

Mittwoch, 20. August 2014

Auf Tour: King Rocko Schamoni & L'orchestre Mirage

King Rocko Schamoni & L'orchestre Mirage  | © Kerstin Behrendt

2007 erschien Rocko Schamonis bislang letztes (wunderbares) Album. Seitdem ging er bekanntermaßen äußerst erfolgreich unter die Schriftsteller, und Jahre später mit Fraktus auch wieder auf die Konzertbühnen der Republik.

Nun wird es höchste Zeit für ein neues Kapitel. Nachdem genug Geld per Crowdfunding eingesammelt wurde, geht es Ende August mit dem Projekt 'Die Vergessenen' auf Mini-Tour. Vom eigens zusammengestellten L'orchestre Mirage werden deutschsprachige Kleinode vergangener Zeiten dargeboten. Sowas gefällt uns ja ganz besonders, und bei unter anderem Ton Steine Scherben, Lassie Singers und Mutter in der Auswahl kann das nur besonders gut werden.

Auf zum Konzert der Wahl. Und wenn es doch zu weit ist, hilft ein wenig Geduld: Das dazugehörige Album soll 2015 erscheinen.

26.8. Frankfurt - Palmengarten

27.8. Hamburg - Thalia

28.8. Kiel - Kieler Schloss

30.8. Berlin - Deutsches Theater

Montag, 11. August 2014

Dokuzeit - Beautiful Dreamer - Brian Wilson and the Story of 'SMiLE'

Die Geschichte dürfte in der Regel popmusikalisch interessierten Menschen bekannt sein. Um es kurz zusammenzufassen - als es Ende der 60er an das Experimentieren in der Popmusik ging und die Kunstschaffenden die unendlichen Möglichkeiten der modernen Technik entdeckten, lieferten sich die Beatles mit den Beach Boys ein Battle. Brian Wilson war vom Klang und den ersten technischen Experimenten der Rubber Soul so angetan, dass er die alten Gewohnheiten über Bord warf und für die Beach Boys die bahnbrechende Pet Sounds schrob. Die Beatles legten mit Revolver noch eins drauf, und Brian Wilson wollte unbedingt ganz neue Spähren als erster erreichen und arbeitete besessen an einem Nachfolger. Monate vergingen, und plötzlich lief das funkelnagelneue 'Strawberry Fields forever' im Radio. Danach zerbrach das Projekt 'Smile' und wurde ad acta gelegt. Die traurige Geschichte aus dem Jahr 1967 wird genauso spannend erzählt, wie die unerwartete Auferstehung des Albums 37 Jahre später. Die Doku ist faszinierend und zeigt vor allem sehr intime Aufnahmen von Brian Wilson. Das jahrzehntelange Mysterium um das Album, und besonders sein Nicht-Erscheinen, wurde endlich gelüftet.

Der Film wirkt so, als sei nichts weg gelassen wurden. Es gibt schmerzhafte Erinnerungen und unerwartet tiefe Einblicke ins Scheitern. Das Happy End rundet alles ab. Sehr empfehlenswert.