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Donnerstag, 17. Januar 2013

Warum Shoot Down the Moon immer großartiger werden: Meetings And Greetings

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Meetings And Greetings (bereits veröffentlicht)
Diese jungen Herren wissen einfach, wie es geht. Sie lassen hier und da geschickt die Gitarren aufheulen, reduzieren sie dann wieder auf ihre leisesten Momente und plötzlich entwickelt sich da so ein treibender Beat, der dich nicht mehr loslässt. Ehrlich, so ein Lied wie Winter und eigentlich auch jeder andere Song auf Meetings And Greetings ist ein Hit. Wirklich jetzt.

Wo wir schon von ihrem letzten Album Swollen Teeth gar nicht mehr aufhören wollten, zu schwärmen, machen Shoot Down the Moon genau da weiter, wo sie aufgehört haben. Und doch stagnieren sie nicht etwa, sondern entwickeln sich hörbar musikalisch weiter. Ach, was solls: diese jungen Menschen klingen so wundervoll wütend und doch gleichzeitig melancholisch zurückhaltend, dass man ihnen vor Begeisterung um den Hals fallen möchte.


Was Shoot Down the Moon wohl niemand abstreiten kann, ist, dass sie ihre Instrumente perfekt beherrschen und wohl selbst der unmusikalischste Depp (ich persönlich zähle mich zu dieser Gruppe) bemerkt dies beim ersten Hören egal welchen Liedes dieser Band. Wo die fünf Herren bei Swollen Teeth noch die leiseren Töne anschlugen und diese so wunderbar unaufgesetzt pompös einzusetzen wussten, klingen sie jetzt ein wenig ungestümer. Doch von ihrer perfektionistischen Ader scheinen sie nicht ablassen zu wollen und das ist auch gut so. Wahrscheinlich wird mich niemals mehr ein Album so dermaßen unverhofft umhauen, wie es das Swollen Teeth vor zwei Jahren gemacht hat. Doch das muss ja auch gar nicht sein, schließlich habe ich und auch hoffentlich noch unfassbar viele andere Menschen begriffen, welches Talent die  aus Milwaukee da vorzuweisen haben.

Auf Meetings And Greetings haben Shoot Down the Moon ihre etwas ruppigeren Melodien hervorgeholt, die jedoch auch immer wieder durch ihre melodiöse Melancholie (ja, so meine ich das) Momente schaffen, die dich dazu bringen, innezuhalten und nicht nur ihr Talent bewundern lässt, sondern dich auch kurzzeitig in so eine Art wunderschönen Stillstand bringt. Für die Dauer des Albums ist alles Andere mal egal. Und das ist es doch eigentlich, was man sich von Musik erhofft? Man kann sich darin verlieren, ohne sich dabei zu verlieren. Denn wenn man ehrlich ist: am Ende eines solchen Albums wie Meetings And Greetings hat man nicht nur das Gefühl, kurzzeitig mal die ganze Welt angehalten zu haben, sondern auch die Möglichkeit gefunden zu haben, über Dinge nachzudenken. Also so wirklich aufrichtig. Oft ist da ja eigentlich nur der Ansatz, dies auch mal zu tun. Man könnte das also quasi als ein Treffen mit sich selbst, aber auch mit Geistern der Vergangenheit ansehen, das das Album mit dir und deinen Ohren da anstellt. Zwischen all den düsteren Moment - die ja doch eher in Erinnerung bleiben, als kurzweilige, schöne Momente - sind da doch eben Dinge, an die man sich gerne erinnert. Oder Kleinigkeiten, an denen man erkennt, wie wundervoll so ein Leben doch sein kann. Selbst wenn man sich eher an die dunklen Momente erinnert. Und so ein Lied wie Winter ist es nun einmal, das einerseits den Verlust eines anderen Menschen ins Gedächtnis ruft und zugleich doch irgendwie ein gutes Gefühl auslöst. Sei es nun eben die grandiose Melodie dieses Liedes, der aufwühlende Beat und Tempowechsel oder ganz schlicht und einfach die Tatsache, dass der Winter vor der Tür steht. "This silence is misused and left for nowhere" ist zudem einer der schönsten Sätze, die es jemals gegeben hat. Schöne Sätze sind verdammt wichtig und notwendig.



Beautiful Girl schafft es gar, dieses Kribbeln in der Bauchgegend, das ja nun eigentlich das schönste am Verliebtsein ist, wenn wir mal ganz ehrlich sind, in Gitarrenmusik zu übersetzen. Wie grandios! Oh oder Passion Play: sind es nicht auch eh die starken Gefühle - egal ob gut oder schlecht - die einem zeigen, dass man eben lebt? Und das man daraus etwas machen wollte? Und dazu dieser leicht gehauchte und plötzlich gebrüllte Gesang, dann diese eingangs erwähnten, aufheulenden Gitarren. Wir möchten jetzt auch mal etwas rausbrüllen: Kann bitte, VERDAMMT NOCH MAL, jemand diese Band unter Vertrag nehmen und sie überall auf der Welt bekannt machen? Sie hätte es so sehr verdient. Und ihre Lieder sollten überall gesungen werden. Weil sie so gut und so unfassbar ehrlich und richtig scheinen, dass es dir die Tränen in die Augen treibt. Verdammt noch mal! Zum Schluss musste da kurz noch einmal ein Wutausbruch her. Tut halt eben manchmal gut. Und dann beruhigt man sich wieder.

Vor kurzem geschah es, dass ein Teil der Tante Pop quasi zufällig via Internet eine amerikanische Musiksendung aus Milwaukee hörte. Dort sollten Shoot Down the Moon nämlich einige ihrer Songs akustisch spielen, darauf freuten wir uns sehr. Und plötzlich, ja plötzlich, redete man dort über dieses "bizarre, deutsche Blog" Tante Pop. Da sind wir fast aus den Latschen gekippt. Wir möchten unser Angebot noch einmal nachdrücklich untermauern: wenn Shoot Down the Moon jemals nach Deutschland kommen (was zumindest mein innigster Wunsch ist), dann können sie jederzeit bei uns übernachten! Wir kochen auch für euch! Bis dahin bleibt uns nur, uns diese wundervolle Session und die dazugehörige Unterhaltung, sowie alle Alben der Band (einige kann man ja hier kostenlos erwerben - nett sind die Herren auch noch!) anzuhören. Und die Welt wenigstens für einige Minuten anzuhalten, sowie alle Gefühlsebenen zu durchleben, die es wohl gibt. Hach.


Die ganze Sendung mit wunderbarer Musik von Shoot Down the Moon hier: www.radiomilwaukee.org/music/programs/414-music/414-music-shoot-down-moon

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