happiness is a warm gun

Die Abenteuer der Tante Pop 2011-2016. Powered by Blogger.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Musik und Nebenwirkungen: Musik als Waffe - Foltern mit Johnny Cash

Keine Kommentare :
Lieber Leser, liebe Leserin: Lautsprecher aufdrehen (im Original bis zu 100DB, nur zu, falls das die Anlage schafft – das ist Neben-Presslufthammer-Niveau), und das verlinkte Video bei 9:45Minuten starten. Das ist bis zu 2 Stunden täglich erlaubt – bei etwas niedriger Lautstärke (84DB) bis zu 18 Stunden. Während der Verhöre sind auch bis zu 72 Stunden am Stück möglich.




Ist das vorstellbar? Schwer bis garnicht, eher weniger als garnicht. Man denke an eine Party mit lauter, schlechter Musik – aber man kann nicht gehen, sondern muss sich das über Wochen, Monate, Jahre anhören.

Diese bemerkenswert aufschlussreiche Dokumentation von ZDF und Arte aus dem Jahr 2011 erforscht das Thema Musikfolter. Sie nähert sich dem Thema sehr gründlich mit Theorie über Folter und einer mehr oder minder gelungenen Simulation. Es eröffnet sich eine erschreckende, sehr plastische Perspektive auf ein Thema, welches normalerweise weit weg ist. Mich erstaunt wie körperlich die USA foltern. Eigentlich ist das 'out', schon in Stasi-Gefängnissen setzte man darauf rein psychologisch und durch Isolation zu Ergebnissen zu kommen.

Die Erläuterungen zur physischen und psychologischen Wirkung von Dissonanzen sind genauso spannend und, ja, erschreckend wie die ganzen Zeugenberichte. Wenn man die kurzen Einblendungen hört erinnert das an Alex in Clockwork Orange, wie er bei Beethovens neunter Sinfonie vor Qual aus dem Fenster springt. Ähnlich muss es einem Ex-Häftling gehen wenn irgendwo laut Metallica läuft.

Der kurze Abriss über Funktionen der Musik in der Geschichte mit Schwerpunkt Nazis ist zwar auch interessant, wäre aber nicht nötig gewesen da solche Nazivergleiche immer etwas Dahergeholtes an sich haben - es hat auch nicht allzu viel mit Guantanamo zu tun. Viel aufschlussreicher ist, das offensichtlich ein größerer Teil der Soldaten sich mit Metal und zu Gewalt anstachelnden Texten ('Let the Bodies hit the floor') aufputscht während sie die Menschenrechte verteidigen. Ekelig, wie die Herren von Drowning Pool im Interview das auch noch lustig finden das mit ihrer Musik gefoltert wird– man mag in dem Moment gewalttätig werden.

Am Ende wirds dann richtig abgedreht – Schallkanonen, die Trommelfelle platzen lassen. Oje.

Für mich ist jede Band die weiß das ihre Musik dazu benutzt und nicht dagegen protestiert erbärmlich.

Diese Dokumentation ist beklemmend und vermag eine zeitlang die Lust an Musik nehmen, doch möchte ich allerdringlichst empfehlen sie von Anfang bis Ende anzuschauen. Es sind 50 gut investierte Minuten.

So ist das mit der Musik nicht gedacht.

Keine Kommentare :

Kommentar posten