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Dienstag, 13. März 2012

Auf einen Tee mit Papertiger Sound - ein Gespräch über zwei Kontinente hinweg.

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Papertiger Sound 2012
Wie wir schon im Januar feststellten, haben Papertiger Sound mit ihrem neuesten Werk "Call Home" wieder einen musikalischen Rückzugsort geschaffen, der seinesgleichen sucht. Und weil wir so begeistert waren, haben wir uns mit Dan und Kerstin auf einen Tee getroffen. Virtuell, versteht sich. Denn schließlich ging das Gespräch von Deutschland über England nach Kanada. Ha!
(An English version of the interview can be found here.)

Vor knapp zwei Monaten habt ihr euer wundervolles Mini-Album "Call Home" veröffentlicht. Warum habt ihr euch entschieden, es so zu nennen?
Dan: Die meisten Lieder handeln davon, wieder damit im Einklang zu sein, wo man herkommt und wer man eigentlich ist. Es "Call Home" zu nennen schien irgendwie richtig.

Wenn euch jemand, der das Album noch nicht gehört hat, fragen würde, wie es klingt - wie würdet ihr es ihm/ihr beschreiben?
Kerstin: Fragen wie diese finden wir besonder schwierig! Für mich klingt es einfach wie wir. Ich denke, ich bin den Liedern zu nahe, um eine gute Antwort zu geben.

Eure letzte EP "Everything Matters" wurde 2010 veröffentlicht - was würdet ihr sagen, wie haben sich Papertiger Sound musikalisch und auch thematisch verändert?
Dan: Ich glaube nicht, dass wir uns jemals bewusst Gedanken darüber gemacht haben, über etwas Bestimmtes zu schreiben. Aber wenn dann eine EP oder ein Album fertig ist, können wir all die Verbindungen zwischen den Liedern sehen. Deshalb denke ich, dass da unterbewusst irgendetwas passiert. Musikalisch denke ich, dass wir immer die Sounds gehört haben, die wir wollten - es ist nur so, dass wir jetzt viel besser darin sind, genau diese Sounds zu erreichen.
Kerstin: Genau. Ich glaube, dass dieses Album, wie der Großteil unserer Musik, ein warmes, nostalgisches Gefühl in sich trägt und sehr melodisch ist. Aber ich denke auch, dass es eine klarere Vision hat und vielleicht ein wenig tiefer in den Sound eintaucht, den wir wollen.

Als ich das erste Mal "Call Home" hörte, war da dieser eine Song, "Safe Inside", der mir einfach nicht aus dem Kopf gegangen ist und seitdem auch mein Lieblingssong auf dem Album ist - habt ihr eigentlich ein Lieblings-Papertiger-Sound-Song oder bedeuten sie euch alle gleich viel?
Dan: Es gibt einige ältere Lieder, die ich immer gerne für mich allein auf der Gitarre spiele, wie "Emperor" oder "Norfolk", also denke ich, dass sie mir irgendetwas bedeuten müssen. Aber ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, warum.
Kerstin: Einige Lieder stechen für mich heraus, weil sie eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort wiederspiegeln. Aber da sind so viele - ich könnte mich für keins entscheiden.

Ist es manchmal schwierig, als ein transatlantisches Duo zu funktionieren, Musik zu machen, Dinge zu planen oder auch einfach nur mal miteinander zu reden? Oder ist es für euch schon so etwas wie Routine geworden?
Dan: Uns trennen fünf Stunden und das ist ziemlich schrecklich. Aber wir müssen damit zurechtkommen. Und es gibt keine Routine, wann wir miteinander reden - wir versuchen einfach unser Bestes, es passieren zu lassen.
Kerstin: Ich finde, Musik zu machen ist gar nicht mehr so schwierig über diese Distanz. Wir machen das jetzt seit Jahren und unsere Methoden aufzunehmen scheinen für uns so zu funktionieren. Ich glaube sogar, wenn wir in derselben Gegend leben würden, würden wir uns die Lieder zuschicken. Wir würden uns aber wahrscheinlich eher öfter im Pub treffen, um darüber zu reden, als zu skypen!

Glaubt ihr, dass es eine Chance gibt, dass wir Papertiger Sound wieder live sehen können, so wie letztes Jahr in Kanada? Ich stelle es mir ziemlich schwierig (und teuer) vor, so etwas wie eine Tour zu planen.
Dan: Oh, warum nicht? Wenn wir uns besuchen, versuchen wir immer etwas zu machen, egal wie hektisch das dann ist. Die Sache ist, dass wir nichts lieber tun würden, als zu touren und unsere Lieder Leuten vorzuspielen, die sie hören wollen. Wir müssen nur geduldig sein, schätze ich. Es wird passieren. Da bin ich mir sicher.
Kerstin: Ja, das ist sicher einer der frustrierenderen Aspekte, wenn man in zwei verschiedenen Ländern lebt. Wir kommen nicht dazu, zu touren oder eine wirkliche Präsenz in irgendeiner Musikszene zu entwickeln. Wir planen jedoch, live zu spielen, wann immer es möglich ist.

Ihr habt euer eigenes Plattenlabel "Auteur Recordings" gegründet. Ist es ein Label, dass sich nur um Papertiger Sound kümmert? Was hat euch dazu bewegt, so eine Entscheidung zu treffen und euer eigenes Label zu gründen?
Dan: Wir haben das Label ausschließlich gegründet, um unsere Musik zu schützen. Ich schätze, dass es immer die Möglichkeit gibt, es in der Zukunft weiter zu entwickeln. Aber im Moment ist es einfach unser Zuhause.

Glaubt ihr, dass ein Musiker heutzutage nicht nur Musiker sein kann, sondern auch eine Art Manager/Promoter in einem sein muss, um etwas zu erreichen?
Dan: Ja, ich denke schon. Aber schon bevor es das Internet gab, mussten Bands ohne Plattenvertrag gut darin sein, aus dem Haus zu gehen und sich selbst ins Gespräch zu bringen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber weißt du, es gibt so viele Sachen, die online passieren, dass ich das manchmal einfach zu viel finde. Dann schalte ich den Computer einfach aus, nehme mir meine Gitarre und schreibe Lieder. Was wahrscheinlich ganz gut ist!
Kerstin: Wir werden die ersten sein, die zugeben, dass wir nicht die Besten darin sind, wirklich Etwas aus der Social Media herauszuholen. Was irgendwo auch ein wenig traurig ist, wenn man bedenkt, wie sehr wir darauf angewiesen sind. Ich finde es auch manchmal einfach zu viel und bin auch verloren, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen. Und, wie Dan, beschäftige ich mich lieber mit der Musik.

Viele Musiker sagen oft, dass sie aufgehört haben, andere Musik als ihre eigene zu hören, nachdem sie damit angefangen haben, Platten zu machen. Habt ihr so ein ähnliches Phänomen auch erlebt?
Dan: Ja, am Anfang ein wenig. Aber das hat sich jetzt geändert, außer wenn ich neue Lieder schreibe. Dann gehe ich in einen musikalischen Bunker, höre nur Demos und Radio 4.
Kerstin: Ich höre auf jeden Fall - beinahe obsessiv - unsere Demos und nicht viel Anderes. Wenn dann ein Album fertig ist, entdecke ich neue Musik und höre kaum noch unsere eigenen Sachen. Ist ein bisschen wie 'Alles oder Nichts' bei mir.

Was sind eure Pläne für Papertiger Sound in der Zukunft?
Dan: Wer weiß das schon? Es gibt keine Karte oder einen Weg, den wir verfolgen, es ist alles sehr aufregend, um ehrlich zu sein. Wir fühlen uns so anders als alles um uns herum, dass ich denke, dass alles möglich ist.
Kerstin: Wir werden weiter Musik machen und hoffentlich weiterhin Wege finden, es für euch interessant zu machen!

Solltet ihr "Call Home" immer noch nicht kostenlos heruntergeladen haben - hier geht's lang.

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