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Sonntag, 18. März 2012

Kleinode deutschsprachiger Musik (43): Jens Friebe - Jede Menge Ziele (2005)

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In einer losen Serie stelle ich Werke vor, die vordergründig eines gemeinsam haben: Sie wurden in deutscher Sprache verfasst. Das alleine ist natürlich keinerlei Qualitätskriterium. Nein, mich interessiert ein kreativer Umgang mit selbiger.

Jens Friebe - In Hypnose (VÖ 08/2005)
Technische Anmerkung: Beim Youtube-Video ist leider die übliche GEMA-Sperre drin. Falls man da nicht weiß wie man weiter kommt ist unter dem Video noch der Link zum Lied bei Spotify, dafür muss man allerdings dort registriert sein.

Jens Friebe hat durch seine mittlwerweile vier Alben so einige Hits auf dem Songwriter-Konto. Und nicht nur das, er kann auch Bücher schreiben. Sein '52 Wochenenden' bietet allerfeinste Unterhaltung. 

Seine Lieder zeichnen sich zumeist durch Synthie-Arrangements und extreme Poppigkeit aus - allerdings kann er auch anders. So wie in 'Jede Menge Ziele' vom Zweitlingsalbum In Hypnose.

'Jede Menge Ziele' glänzt durch einen ordentlichen Schuss Punk. Schrammelgitarren, schepperndes Schlagzeug, flottes Tempo und alles ist nach eineinhalb Minuten gesagt. Würde man behaupten es sei eine Hymne gegen Karrieremenschen ist das sicher nicht falsch, doch steckt mehr drin. Die Absage richtet sich nicht nur an die geleckten Geldstreber, sondern an ein Großteil der heute Mittzwanzig- bis Mittdreiziger.

Die Absage geht sehr deutlich gegen den ewigen Druck irgendwelche Zukunftspläne zu schmieden und irgendwas 'erreichen' zu müssen. Wie schon Sven Regener Herr Lehmann feststellen ließ - wieso kann man nicht in einer Kneipe arbeiten (wenn man den Clip von Anfang an schaut - erst kommt 'Used to be' von den Violent Femmes und wenig später genauso großartig 'Soul Happy Hour' von The Jazz Butcher - großartig)? Doch zurück zum Lied - es ist wirklich zweifelhaft ob die vielen Ziele der lieben Mitmenschen in ihrer Quantität so sinnvoll sind. Und es muss auch ständig etwas das gut ist auf eine neue Stufe gehoben werden. Bestes Beispiel Beziehungen - nein, es reicht ja sovielen Menschen nicht einfach mit einem tollen Menschen Zeit und Intimzeit zu verbringen, da muss dann unbedingt irgendwann zusammengezogen werden. Nachwievor wollen dann viele auch noch heiraten, warum auch immer. Kinder, Familienauto, Haus. Es braucht immer eine neue Stufe, sozusagen das verinnerlichte ominöse 'Ewige Wachstum' der Wirtschaft. 

Ob nun zwischenmenschlich oder finanziell - Wachstum kostet immer. Entweder man bezahlt selbst durch den Verlust von Freiheit und Freizeit, oder noch schlimmer: andere bezahlen, denn wer sich nach oben buckelt muss fast zwangsläufig nach unten treten, die Erkenntnis wird wohl in so ziemlich jeder größeren Firma schon dem ein oder anderen gekommen sein.

Das gute Leben ist für mich nicht das vollgestopfte der Jede Menge Ziele-Menschen, sondern eines mit Muse und Genuss; dafür kann ich auch "darauf verzichte[n] meine Wohnung So richtig geil einzurichten."

Viele Menschen brauchen das aber, warum auch immer. Sollen sie ruhig, aber bitte nicht meckern wenn das andere nicht so sehen. Die Ausführungen gerade mögen vom Kern des Liedes etwas weggeführt haben, aber das wollte ich auch eigentlich zeigen - es regt vor allem zum reflektieren des eigenen Standpunktes an.


Glaubt ja nicht ich verschwende meine Zeit
Während ihr Geld verschwendet
Euch Mountainbikes und Snowboards leiht
Und damit Berge schändet

Glaubt ja nicht, ich hab nur zu wenig Geld
Um die Zeit tot zu schlagen
Die Karten, die ihr vorbestellt
Will ich geschenkt nicht haben

Ich hab jede Menge Ziele
Ihr habt vielleicht mehr
Aber ich hab auch ganz viele
Ich verrat sie euch bloß erst hinterher

Glaubt ja nicht, es gibt Grund für euer Mitleid
Weil ich darauf verzichte
Meine Wohnung
So richtig geil einzurichten

Ich weiß ja, ich vertue Chance um Chance
In meiner Warteschleife
Doch muss man die Chance
Nicht auch mal als Gefahr begreifen?

Ich hab jede Menge Ziele
Ihr habt vielleicht mehr
Aber ich hab auch ganz viele
Ich verrat sie euch bloß erst hinterher

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