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Mittwoch, 21. März 2012

Gastbeitrag: Rahsaan Roland Kirk – Volunteered Slavery

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Roland Kirk - Volunteered Slavery (VÖ 1969)
Der eigene musikalische Horizont ist leider nie so groß wie man sich es wünscht. Um euch hier bei der Tante Pop ab und an mal etwas anderes als unsere im eigenen Saft schmorenden Gedanken bieten zu können fragen wir sympathische, gebildete Menschen nach Spielarten, von denen wir nicht so die Ahnung haben. Diesmal hat Jazzkennerin Uta uns einen schönen Beitrag zu einem wirklich empfehlenswerten Jazz-Album geschrieben.

Der amerikanische Jazz-Saxophonist Rahsaan Roland Kirk legt mit diesem Album einen nahezu perfekten Stimmungsaufheller aufs Parkett – ob nun bei Regen oder sonstigen depressiven Tiefgängen des Lebens. Schon der Opening Track und gleichnamige Titel des Albums, Volunteered Slavery, sorgt mit dem markanten Tenor-Saxophon zu Beginn und dem kurz später einsetzenden Roland Kirk Spirit Choir sofort für Kopfnicken, tippende Finger und wippende Füße.

Das gesamte Album ist wunderbar abgefahren: Kirk bearbeitet, neben seiner Stimme, eine Reihe von Instrumenten: Flöten, Pfeifen, Klarinetten oder Glockenspiele. Und nicht zu vergessen natürlich sein Markenzeichen, seine verschiedenen Saxophone (ein Tenor-Saxophon, ein umgebautes Sopran-Saxello (Kirks sogenanntes „Manzello“) sowie ein umgebautes Alt-Saxophon), die er mitunter sogar gleichzeitig spielt. Der Bezeichnung Multi-Instrumentalist verleiht er damit noch einmal ganz neue Qualitäten... Wer sich nun fragt, wie das wohl aussieht, dem sei dieses Video empfohlen – dort spielt er auf drei Saxophonen, wechselt zwischendrin zur Flöte und spielt mit seinen Füßen wohl auch noch Bass:



Volunteered Slavery erschien übrigens 1969 bei Atlantic und enthält neben New Yorker Studioaufnahmen in der ersten Hälfte auch Aufnahmen seines Auftritts beim Newport Jazz Festival aus dem Jahr 1968. Stilistisch ist das Album und der Stil Kirks generell nicht so einfach zuzuordnen. Hin und wieder wird seine Musik als eklektizistisch beschrieben, auf jeden Fall verbindet Kirk verschiedene, man möchte fast sagen „klassische“, Jazzstile wie den Bebop und Hard Bop mit Elementen aus dem Free Jazz. (Aber diese Genrezuordnung ist wahrscheinlich gar nicht die wichtige Frage.) Neben diesen Jazzelementen tauchen auch immer, und das legt schon die Bezeichnung des Roland Kirk Spirit Choir nahe, Anleihen an traditionelle afrikanische Musik(en) auf. Und nicht zuletzt bedient sich Kirk gerne bei der jeweils gegenwärtigen Populärmusik: Neben Stevie Wonders 'My Cherie Amour' ist ein besonderes Schmankerl die Adaption des mittlerweile wohl tausendmal gecoverten 'I Say a Little Prayer'. Kirk haucht dieser wohl etwas schmalzigen Kaffee- und Kuchenmusik von Burt Bacharach mit viel Drive und seinen Improvisationskünsten noch einmal neues Leben ein. 

Doch hört selbst:
Rahsaan Roland KirkI say a little prayer (auf Spotify) / I say a little prayer (Live auf Youtube)

Und zum Vergleich gleich auch noch das Original:
Burt BacharachI say a little prayer (auf Spotify) / I say a little prayer (auf Youtube)

So klingt es bei Sabrina:
Sabrina(I) Say a little prayer (auf Spotify)


Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, dem seien neben Volunteered Slavery auch die etwas früheren Alben aus der Mitte der 1960er, The Inflated Tears und Rip, Rig and Panic, ans Herz gelegt. Ein langes Leben war Rahsaan Roland Kirk aber leider nicht vergönnt – nach zwei Schlaganfällen ist er bereits 1977 mit 41 Jahren verstorben.

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