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Dienstag, 15. November 2011

CD-Singles müssen sterben, damit wir leben können.

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Element of Crime - Delmenhorst Single (VÖ 2005/Universal)
So in etwa denken die etablierten Plattenfirmen und läuten der Single-CD immer lauter das Totenglöckchen. Gut, wer von uns kauft noch Single-CDs? Es ist schon jetzt ein Nischenprodukt, welchem dank legaler Downloadanbieter die Existenzgrundlage weitesgehend entzogen wurde. Früher war ja auch schon rein quantitaiv gesehen das Preis/Leistungsverhältnis von Singles denkbar ungünstig, aber wenigstens bekam man als Bonus das ein oder andere Lied, welches sonst nirgends drauf war. Das weckte Sammlerbegierden, und ist obsolet geworden. Zur Benutzung sind Singles ebenfalls extrem unpraktisch, sind doch meistens nur 10 Minuten Musik drauf. Was bliebe wäre ein alternatives Cover, aber seien wir mal ehrlich. So eine Single ist einfach unästethisch. Letztendlich kopiert man sich den Inhalt seit 10 Jahren auf die Festplatte, und die Single verstaubt im Regal.

Sie war schon immer ein halbgarer Abklatsch des 'Vorgängers'. Zu Zeiten als es nur Vinyl gab, etablierten sich Single und Maxi. Auf Vinyl machte das ganze Sinn (auch wenn das Preis/Leistungsverhältnis ebenfalls unstimmig ist), denn sie boten einen Mehrwert. Singles waren durch ihr Format viel besser tranportierbar, und die großen Maxis boten dank 45U/Min für die Feinschmecker unter den Hörern zumindest in der Theorie eine bessere Qualität. Und weil Schallplatten ästethisch überlegen sind und das Single-Konzept Sinn zu machen scheint - zumindest gibt es immer wieder neue kleine aber feine Auflagen - werden sie überdauern, während sich die Nutzlosigkeit der Single-CD mittlerweile der überwiegenden Mehrheit offenbart hat. Ich vermute oft Nischen, aber nicht für die Single-CD. Wer soll das noch kaufen?

Wir dürfen uns aber nicht dem Trugschluss hingeben, sämtliche existente Singles würde somit zu Ramsch degradiert. Der Eindruck der allgegenwärtigen Verfügbarkeit täuscht - längst nicht alles findet sich im Internet. Genauso wie die Mehrheit aller Audioaufnahmen bis heute nicht digital existiert, so finden sich die Unmengen kruder, seltener B-Seiten längst nicht im Internet, sondern nach wie vor oft nur auf den alten Singles. Es liegt an den Künstlern sie in Form von Sammlungen oder einzelnen Titeln zur Verfügung zu stellen. Machen sie das nicht, verschwinden viele großartige Lieder in Vergessenheit, denn es verbreitet sich eben jener Irrglaube, das alles, was existiert, im Internet auffindbar ist. 

Also, bloß nicht die Singles wegschmeißen! Die könnt ihr noch euren Nachfahren zeigen, und dann längst vergessene Kleinode der Künstler wiederentdecken!



Epilog:
Der Gedanke zur Single mündete bei mir im Namen 'Strawberry Fields Forever / Penny Lane'. Es gab Zeiten, da wurden Singles nicht auf den dazugehörigen Alben weiterverbraten. Heute ist das eine seltsame Vorstellung. Damals wurden Lieder auch einfach mal als verbraucht angesehen, wenn sie bereits veröffentlicht wurden. Die Beatles sind dafür das prägnanteste Beispiel. In der Blütezeit ihrer Kreativität war es für sie Usus, einige Zeit vor dem Album eine Single rauszubringen, und zwar mit Liedern, die wohl zu den besten überhaupt gehörten. Leider fehlen diese auf den Alben. Revolver könnte mit 'Rain' und 'Paperback Writer' noch großartiger sein, und was wäre das legendäre Sgt. Peppers mit 'Strawberry Fields' und 'Penny Lane'? Leider gibt es diese Alben, so wie ich sie mir wünsche, nicht auf Schallplatten. Aber wie gut, dass wir im digitalen Zeitalter leben. Mit MP3s kann man sich alles so zurechtbasteln, wie man möchte. Und für das orginalgetreue bleiben die Platten. Schöne neue Zeit. Auch ohne Single-CDs.

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