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Freitag, 27. April 2012

Nigel Wright - Millfoil

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Millfoil (Butterfly Collectors/ bereits erschienen)
Der junge Mann sitzt in der Mitte eines Raumes,  barfuß auf einem Stuhl, eine Gitarre hat er auch dabei. Man mag sich fragen, was man da jetzt erwarten soll. Aber man sollte Nichts erwarten.
Denn Verblüffung ist wohl das, was Nigel Wright gut und gerne auslöst, wenn er da sitzt, den ersten Akkord anstimmt und singt. Das kann doch nicht sein! Das ist doch nicht etwa die Stimme eines jungen Mannes, der gerade einmal 18 Jahre alt ist und die Lieder, die er da spielt, bereits zwei Jahre zuvor zu einem Album zusammenstellte. Doch wir müssen damit leben, dass unsere Erwartungshaltung hier enttäuscht wird - nein, wir sollten dankbar sein.
Denn Nigel Wright kann nicht einfach zu dieser Masse an Singer/Songwritern gezählt werden, die gerade gerne so erfolgreich wie Bon Iver oder so beliebt wie The Tallest Man On Earth wären. Er ist ein ganz individueller Charakter, der da so wundervoll melancholische Lieder singt. Und dessen Stimme sich dabei anhört, als hätte sie schon ein ganzes Leben hinter sich.

Es ist wirklich verblüffend. Wie der junge Mann es schafft, keine wirklichen Strukturen in seinen Liedern zu zeigen. Wenn man glaubt, man habe ihn verstanden, dann greift er plötzlich zur E-Gitarre, schrammelt einen einzigen Akkord herunter und landet dann wieder bei der schönsten Piano-Ballade, die man jemals glaubt gehört zu haben. Ach ja und dann ist das Klavier plötzlich ganz verschwunden, die E-Gitarre hat ihren Strom verloren und dann ist das Lied auch schon aus. Huch. Das mag wohl der Gedanke sein.

Wer Nigel Wrights Musik gut finden möchte, der muss ihr Zeit geben. Es ist sicherlich kein einfaches Album, das er da aufgenommen hat. Und wenn man dann auch noch bedenkt, dass es sein Debüt ist und dass er gerade einmal 16 Jahre alt war, als es entstand, da fragt man sich, wie viel Weisheit der junge Mann in seinem Leben denn noch erreichen will. Er hat doch eigentlich schon alles. Zumindest stelle ich mir eine komplexere Entwicklung für ihn recht schwierig vor - ab hier kann es eigentlich nur noch simpler werden. Diese Tatsache macht es jedoch so wundervoll, ihm zuzuhören. Man freut sich, dass er seine Lieder eben nicht so vereinfacht hat, dass sie jedem ins Ohr gehen. Er hat es komplizierter gemacht - und so wird es eben auch für den Hörer spannend.

Zudem schafft Nigel Wright es auch noch, zum Nachdenken anzuregen. Ja, das mag jetzt unglaublich kitschig klingen, aber ich muss mich entschuldigen: das ist die Wahrheit. Und Nichts als die Wahrheit. Ein Beispiel hierfür ist das Lied Barriers, zu Beginn schon angesprochen. Ja richtig - das mit den nackten Füßen und dem Stuhl in der Mitte eines Raums. Wem diese Beschreibung eher wie der Verlauf eines unheimlichen Traums vorkam, der mag sich doch bitte folgendes Video anschauen. Und wer nicht auch nur ein birebitzeli (ha!) in melancholische Stimmung verfällt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Hört euch den jungen Mann doch an! Das ist Melancholie! In ihrer schönsten Art und Weise! (Sorry, Gisbert.)

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