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Mittwoch, 8. Juni 2011

Kleinode deutschsprachiger Musik (6): Male - Risikofaktor 1:x (1979)

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In einer losen Serie stelle ich Werke vor, die vordergründig eines gemeinsam haben: Sie wurden in deutscher Sprache verfasst. Das alleine ist natürlich keinerlei Qualitätskriterium. Nein, mich interessiert ein kreativer Umgang mit selbiger.

Male - Zensur & Zensur (1979) LP-Cover
Ich bin ja großer Freund der frühen NDW, mit so Bands wie Fehlfarben, S.Y.P.H. und Der Plan. Wenn man fragt, wo das alles eigentlich angefangen hat, landet man beim ab 1976 nach Deutschland importiertem Punk àla Clash, Ramones und Sex Pistols. In den Anfangstagen wurde das einfach imitiert, und es dauerte eine Weile, bis man auf die Idee kam auch in deutscher Sprache Punklieder schreiben zu können, woraus sich dann in einer schnellen Evolution bis Anfang der 80er die 1. NDW gebildet hat.

Male sind eine, wenn nicht gar die Band der ersten Stunde. Sie gründeten sich 1976 und nahmen 1979 das erste deutschsprachige Punkalbum auf, um sich dann 1980 wieder aufzulösen. Von diesem Album stammt auch jenes Lied, welches ich heute präsentieren möchte.



Risikofaktor 1:x wirkt wie eine Zwitterform aus klassischem 77er Punk und dem poppigen NDW-Versuchsfeld ein paar Jahre später. Genauer gesagt ist der Musik deutlich anzuhören, dass das Können auf den Instrumenten noch arg begrenzt war und man in dem Bereich noch der 3-Akkorde-Punkrock-Ästhetik anhang. Eine Ausnahme bildet die eher verhaltene Anschlagsrate auf der Gitarre, ganz im Gegensatz z.B. zu den Ramones.
Der Gesang bricht mit der Musik. Er wirkt fast freundlich, man möchte sagen gelassen. Der Text wiederum macht tatsächlich den Eindruck von etwas ganz eigenständigem, vorher so nicht existentem. Man möchte ihn beim ersten mal für stark dadaistisch halten, kann dann aber doch auch Sinn in ihm finden. Die Herangehensweise muss interessant gewesen sein - leider weiß ich darüber nichts. Es wäre leicht zu sagen, dass eine Kritik an der Produktion unnötiger Produkte auf Kosten der Gesundheit der ArbeiterInnen geübt wird, aber ob man das ausdrücken wollte...

Rolltreppe, Rolltreppe - Eisen und Stahl
Rolltreppe, Rolltreppe - Sinnlos brutal
Hochofen, Hochofen - Hitze und Glut
Hochofen, Hochofen - Schweiß und Blut
Risikofaktor 1:x - Die neue Zeit kommt gewiss

Das Ganze ist knackig kurz, eingängig, und in der Schlange auf der Rolltreppe nach oben aus dem U-Bahnschacht nett anzuhören.
Empfehlen möchte ich an diese Stelle noch den Sampler Verschwende deine Jugend (nicht zu verwechseln mit dem Soundtrack zum gleichnamigen Film!), welcher viele sehr interessante Lieder aus dieser Zeit enthält.

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