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Freitag, 24. Juni 2011

Gastbeitrag: Die Kunst der Wiederholung

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Quelle: www.meetmax.de/taize/parking/parking.htm
Vor einiger Zeit ergriff mich überraschend Begeisterung für Kirchenmusik (siehe Beitrag zu Michaela Meise). Daraufhin fragte ich Hannah, eine Freundin von mir, die selbst aktiv im Kirchenchor singt, ob sie nicht Lust hätte ein paar Zeilen zum emotionalen Vergleich von Kirchen- und Popmusik zu schreiben. Dankenswerterweise hat sie für die Tante Pop einen ganz wunderbaren Beitrag verfasst, aber lest selbst:






Es ist zu Anfang festzustellen, dass in der Familie der schöngeistigen Kulturtechniken die Musik am ehesten in stetiger Wiederholung zu erblühen vermag. Will heißen, dass Rezipient X in der Lage sein wird einem von ihm geschätzten Song in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum überaus häufig zu lauschen ohne dem Überdruss anheim zu fallen. 
Eine ähnlich gehäufte Konsumrepetition wäre im Falle eines Buches oder Films eher unwahrscheinlich, wenn nicht sogar verhaltensauffällig. Doch die Musik lebt scheinbar von der Wiederholung. Das Publikum rast, wenn die Band altbekanntes anspielt. Lieder werden erst in der Wiederholung zu Erinnerungsspeichern. 
Die mit dem Song(text) verknüpfte Stimmung oder Botschaft schürft sich in der Wiederholung tief in das Bewusstsein der Lauscher ein. Ein Effekt der gewiss durch das mitsingen, also das Nachsprechen der Botschaft, verstärkt wird. Das laute Nachsprechen ist nicht umsonst die Memorierungstechnik Nummer eins unserer Grundschultage. 

Dies wäre nun die ideale Stelle um auf die propagandistische Durchschlagskraft des eingängigen Liedes zu sprechen zu kommen. Denn eine gemeinschaftlich gelebte Lebenseinstellung lässt sich nach wie vor am besten über eigenes Liedgut vermitteln. Singen ist sozusagen Gemeinschaft deluxe. Stimmliche Einheit. Klangvollster Ausdruck einer Überzeugung. Damit ausschließend und integrierend zugleich. Integrierend weil der Gesang vieler zum Mitsingen reizt. Ausschließend, weil das Liedgut häufig der geschlossenen Gruppe vorbehalten bleibt. Das Lied ist aber zugleich Einladung zumindest für kurze Zeit zum Teil einer Gemeinschaft zu werden.
Eine solche Gemeinschaft ist die seit 1940 existierende „Communauté de Taizé“ in Frankreich (alle wichtigen Hintergrundinfos findet der interessierte Leser hier: www.taize.fr/de). Taizé ist friedliche Gemeinschaft. Taizé ist gelebte Ökumene. Oder wie man auf der Homepage liest: 
Heute zählt die Communauté de Taizé an die hundert Brüder, Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus über fünfundzwanzig Ländern. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern.
Zugleich ist Taizé Treffpunkt junger Christen. Es wird gemeinsam gelebt, gegessen, diskutiert und natürlich gesungen. Dabei zeichnen sich die Lieder durch drei primäre Merkmale aus: 1. Einfache einprägsame Melodieführung 2. kurze Texte 3. Mehrsprachige Textvorlagen. Wer eintritt und lauscht kann so bereits nach kürzester Zeit einstimmen. Ganz ohne Liederzettel und Noten. Also auch hier das Ziel Gemeinschaft im Gesang. Und natürlich Wiederholung. Wiederholung als Vertiefung. Wiederholung als Meditation.
Ob ihn so etwas anspricht oder eher langweilt muss dabei jeder selbst wissen. Und vielleicht beim nächsten Mal kurz drüber nachdenken warum man sein aktuelles Lieblingslied nie nur einmal anhört.

Wir danken Hannah vielmals für ihren Beitrag und möchten darauf verweisen, dass sie einen wundervollen Literaturblog mit dem schönen Namen schreckhaeschen.blogspot.com hat, den wir euch hiermit allerwärmstens ans Herz legen!

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