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Dienstag, 5. November 2013

Amanda Palmer, Berlin / Kesselhaus 2013

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Du, wir müssen reden. | Source: Screenshot youtu.be/TveAzAs6NAY
Du und ich, wir sind schon lange zusammen. Jetzt überlege ich wie es weitergehen soll mit uns. Muss ich mit dir das Es-liegt-nicht-an-dir-sondern-an-mir-Gespräch führen? Wollen wir Freunde bleiben oder gibt es noch eine Zukunft für uns? Als wir uns kennenlernten habe ich mich natürlich wie 8 Milliarden andere Menschen in die Dresden Dolls verliebt. Dieses eigene, diese rohe Energie von den beiden unfassbar begabten Menschen, das war toll. Wie das so ist im Leben, haben wir uns mit den Jahren etwas auseinandergelebt, aber wir hatten trotz allem immer eine innige Verbindung. Als ich dir im Sommer 2012 im Roten Salon schweißnahe war, war das zwar eine Wiederbelebung gewisser Gefühle, aber das hysterisch groupiehafte stellte sich nicht mehr ein. Nun gut, wir werden alle älter, und Beziehungen müssen nach sovielen Jahren nicht mehr hysterisch sein. Ich habe dich dennoch immer wohlwollend unterstützt und über manche Angelegenheiten den Mantel des Schweigens gehüllt (ein Radiohead-Ukulele-Cover-Album, wirklich?).

Nun wollte ich wissen wie es um uns steht und habe dich im Kesselhaus aufgesucht. Nicht hysterisch bemüht zwei Stunden vor Einlass, sondern sogar zu spät um das erste Lied mitzubekommen. Die Distanz war so groß wie nie, du da vorne und ich ganz ungewohnt an der Bar bei den fragwürdigen Konzertgängern....“Kiek ma, die hatne Ukulele!“ „Ach, son Dink hat der Stefan Raab ooch!“...“Wau, dit is echte Kunst, nichso wiiem Färnsehn!“...“Dit Lied kenn ick! Dit is der große Hit! Keunoppärätitbäu...lalalala..lalalala“. Dort fühle ich mich sonst nicht wohl, aber es schien mir angemessen etwas Distanz zu wahren. Du hattest soviel Energie, eigentlich wie immer (erinnerst du dich noch an den Evelyn Evelyn-Gig im Babylon Kino 2011? Du hast alles gegeben obwohl dir die ganze Zeit ein Kotzeimer hinterhergetragen werden musste). 

Die Show im Kesselhaus war vielseitig, du hast sehr leise Momente eingebaut, nur um im nächsten Moment einen auf Rockkonzert machen zu können. Aber ganz ehrlich Amanda, 'Smells like Teen Spirit', das obligatorische Lou- Reed-Gedächtnis-Cover 'Walk on the Wild Side' und dann auch noch '99 Luftballons'? Ich finde wirklich vieles lustig, aber das war ranwanzen ans 80er-Jahre-Party-Publikum im üblen Stil. Das eigentlich Schlimme ist aber wie gut ihr alle seid. Die Band besteht aus grandiosen Musikern, die Arrangements sind meisterhaft und alles läuft nach allen Regeln der Entertainment-Kunst. So habe ich dich aber nicht kennengelernt. Mir fehlt das rohe, pointierte. Das klingt so als würde ich in der Vergangenheit leben und den Dresden Dolls nachtrauern. Vielleicht ist es so, auch wenn ich einen lauwarmen Aufguss der Dolls ebenfalls nicht gut fände. Ich muss sagen, bei 'Missed me' ging mir das Herz mehr auf als bei den meisten anderen Sachen an diesem Abend. Ist das Nostalgie? Hast du dich zum Schlechteren verändert? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich liegt es nicht an dir sondern an mir.

Vielleicht unterscheidet sich unsere Erwartungshaltung mittlerweile zu sehr. Ich mag es nicht wenn man glaubt das Spontane sei Berechnung. Trotz alledem möchte ich aber dass wir es nochmal miteinander versuchen. Zum Einen, die Show war, aus einer objektiveren Sichtweise betrachtet wirklich gut. Das bin wohl ich der in der Vergangenheit lebt. Zum Anderen hast du den Abend nicht mit einem deiner bekannten Hits, sondern mit einer großartigen, anti-folkigen Hymne auf die Ukulele beendet. Das war so herzzerschmelzend wundervoll und unerwartet - in dem Moment warst du die famoseste Anti-Folk-Queen seit Phoebe Kreutz. Der Moment versöhnte mich mit den zwei Stunden voller (Selbst-)Zweifel.

Amanda, du und ich, das war doch eigentlich meistens eine schöne Zeit. Ich weiß nicht ob du noch willst, aber ich möchte nicht dass das endet. Lass es uns noch einmal miteinander versuchen.


P.S. Dass du als Vorreiterin aller Künstler-Geld-Social-Crowdfunding-Media-2.0-Dingse das Publikum aufrufst auf Facebook, Twitter und Co zu pfeifen und die gute alte Mailinglist wieder einführst gibt mir Hoffnung für die Zukunft des freien Internets. Danke.


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