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Montag, 13. Mai 2013

Treetop Flyers - The Mountain Moves

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The Mountain Moves (Loose Music/RTD) - bereits erschienen
Auf einem wirklich hippen Festival in einem wirklich hippen Londoner Stadtteil (Camden) sitzen zwei junge Damen und haben bereits zwei anstrengende und zugleich wundervolle Festivaltage erlebt. Längst haben sie sich (da sie selbst natürlich nicht so sind) an die hippen Menschen und ihre Oberflächlichkeit gewöhnt. Und an die Tatsache, dass auch einige der ihnen unbekannten Bands auf dem Festival ebenso nichtssagend sind (Cloud Control! Cloud Control!). Ohne jegliche Erwartungen sitzen sie also nun in einem dunklen Club und nippen am hundertsten Gin Tonic. Und dann kommt da eine Band auf die Bühne, die so wundervoll authentisch, musikalisch und bezaubernd ist, dass es die beiden Damen aus ihrer Lethargie reißt und sie jubeln lässt. Wer diese Band sein kann? Die Treetop Flyers natürlich. Denn darum geht es hier ja.

Vor nicht allzu langer Zeit ist genau dies tatsächlich so passiert. Verwundert war man über die Intensität der Stimme dieses beinahe unscheinbaren Mannes da auf der Bühne. So wirklich wollte man das auch nicht glauben, was da auf der Bühne passierte: eine offensichtlich britische Band macht so wunderbare Folkmusic, wie sie ein Neil Young wohl kaum besser machen könnte. Ohne dass wir jetzt hier die Position von Neil Young diskutieren wollen. Jedenfalls: das klang alles so sehr nach Westküsten-Rock aus Amerika und doch so ehrlich gemeint, dass es dich umhaute. Und dann war da dieses eine Lied. It's About Time. Sollte all das wirklich zwischen diesen zumeist hippen, künstlerisch wertlosen Bands passiert sein? Oder war das der Gin? Spätere Recherchen ergaben: nein, waren tatsächlich die Treetop Flyers.



Mit The Mountain Moves haben die fünf Herren nun also endlich ihr Debüt veröffentlicht, das schöner nicht hätte werden können. Zwar fehlt dem Album leider diese unglaubliche Tiefe, die die Live-Auftritte der Band immer wieder so ziemlich jeden staunen lassen. Dennoch ist es ein so gutes Album geworden - weil es dich träumen lässt, weil es ein Gefühl von Geborgenheit auslöst und die Melodien so wunderbar ins Ohr gehen, dass man sich wünschte, man würde den ganzen Tag nur im Auto sitzen und mit offenen Fenstern und aufgedrehter Stereoanlage durch großartige Landschaften brettern. Mit einem Elektroauto, versteht sich. Was kitschig klingen mag, ist einfach das Gefühl, dass doch jeder Mensch kennt - einfach mal den Wunsch, nicht angestrengt seine Umwelt von einem selbst überzeugen zu müssen, sondern einfach mal unbeschwert zu sein. Wer dieses Album hört und nicht irgendwann zu dem Punkt kommt, wenigstens für fünf Minuten unbeschwert mit dem Kopf zu schütteln, der sollte sich Sorgen machen. Wirklich. 

Die Treetop Flyers mögen keine weltbewegende Neuerfindung der Musik hervorgebracht haben. Aber sie sind eine der wenigen authentischen Bands, die es gibt, die diese Art von Musik machen und damit nicht nur einem Trend folgen wollen, dem gerade alle hinterherjagen. Diese Band weiß, was Country und Folk ist. Sie lebt das. Sie nehmen es nicht als Konzept, um auch jenseits des großen Teiches erfolgreich zu sein und mit platten Liedern in den Radios rauf und runter gespielt zu werden. Ja, dies ist eine Anspielung. Die meinen das so, wie sie das singen. Außerdem scheint jedes einzelne Mitglied dieser Band so eine Freude an ihrer Musik zu haben und den Dingen, die sie aus ihren Instrumenten herausholen können. Es ist so wundervoll, ihnen dabei zuzuschauen. Und auch wenn The Mountain Moves stimmiger und geschliffener klingt, als es vielleicht der Fall sein sollte - wo ist das Problem dabei? Auch ein Bruce Springsteen produziert Musik, die im Radio gespielt werden soll. Wir wünschen uns sehr, dass die Treetop Flyers auch oft im Radio gespielt werden. Weil ihre Musik so viel mehr Substanz hat, als vieles andere. Und wir wünschen uns, dass die Menschen auf ihre Konzerte gehen. Denn das sind Abende, an denen man meint verstehen zu können, was Freiheit oder zumindest Unbeschwertheit ist. Zum Glück sind sie ab heute unterwegs in Deutschland. Und wer sie sich wieder ansehen wird? Die beiden jungen Damen mit den Gin Tonics. Weil diese Band es geschafft hat, sie durch einen einzigen Auftritt so zu begeistern. Hoffentlich passiert das noch sehr viel öfter!

13.05.2013 Köln, Blue Shell
14.05.2013 Hamburg, Prinzenbar
15.05.2013 Haldern, Pop Bar
16.05.2013 Berlin, Privatclub
17.05.2013 Beverungen, Orange Blossom Special Festival








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