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Donnerstag, 2. Mai 2013

Album für Album: The Kinks - Low Budget (1979)

Kommentare :
Ich möchte über die Musik der Kinks schreiben, sitze vor dem Berg an Material und weiß nicht, wie man die ganzen Gedanken dazu in einen gut lesbaren Fließtext verwandelt bekommt. Es gibt zuviel – z.B. die vielen grandiosen Alben aus den 60ern, von dem jedes anders klingt und es oft an wundervollen Ideen übersprudelt. Es gibt diverse theatralisch aufgebaute Konzeptalben aus den 70ern, über Vergänglichkeit, Schule und Star-Dasein, die viel zu selten gewürdigt werden, obwohl sie mitunter fantastisch sind. Da ist noch die Stadionrockphase Ende der 70er, Anfang der 80er und ab Mitte der 80er das durchwachsene, meist ignorierte Spätwerk, welches aber doch ab und an Highlights bietet. Deswegen möchte ich meine Gedanken und Empfehlungen zu den 24 Studioalben einfach in chronologischer Reihenfolge niederschreiben, mit der Hoffnung dass einige LeserInnen den ein oder anderen untergegangenen Schatz für sich entdecken.


Es ist für mich das einzige Album, welches zu Recht die Stilbezeichnung 'Statdionrock' tragen kann. Das ist wahrlich keine Auszeichnung, auch wenn es der größte Erfolg der Kinks in den USA war und der Stadionrock zu Stadiontouren führte. Die Qualitäten von Kinks-Liedern - das pittoreske, böse, aneckende und subversive - bleibt größtenteils auf der Strecke.

Übrig bleiben einige uninspirierte Lieder mit recht flachen Texten, also genau das Richtige um in großen Publikumsmassen dazu Rock am Ring-mäßig abgehen zu können. Gleich im Eröffnungsstück 'Attitude' wird man angeschrien und kann zurückschreien Your Aaaaaaaaaaatitude... , ohne dass wirklich wichtig ist worum es geht. Hiermit wäre ein Teil des Albums eigentlich hinreichend beschrieben. 'Pressure' ist im Grunde das gleiche Lied, genauso wie 'Misery'.

Ein Thema zieht sich durch einige Lieder – Geldmangel. Das Titelstück 'Low Budget' weist den Weg und passt inhaltlich (wie es so häufig bei alten Kinks-Stücken ist) wunderbar ins 21. Jahrhundert. 'Gallon of gas' ist aus heutiger, mitteleuropäischer Perspektive gradezu putzig – beschwert sich doch der Protagonist über zu hohe Sprittpreise im Amerika der ausgehenden 70er Jahre. HA!

Zugegeben, die Stücke können durch einfache musikalische Tricks, die stadiongerechte Musik ausmachen, wirklich gut kleben bleiben. Die besten Beispiele sind 'Catch me now I'm falling', 'In a space' und 'Moving Pictures'. Sicher - die puren Verkaufszahlen beweisen es - mag das viele Menschen ansprechen, aber es unterbietet einfach die Erwartungshaltung, welche man haben kann wenn man das übrige Kinks-Werk kennt. Allerdings ist, wie immer, nicht alles schlecht. Von den Liedern mit Mitgröhlfaktor und simplen Texten ist '(Wish I could fly like) Superman' wirklich ein Smasher, das muss man zugeben.

Abgesehen davon heben sich zwei Stücke vom Rest positiv ab, nämlich jene die vom Thema Depressionen (oder vielleicht weiter gefasst: mentale Erkrankungen) handeln. Dazu gehört als drittes auch 'Misery', aber das ist für mich eben auf diesem Musste-das-wirklich-sein-Niveau. Das eine gelungene Stück ist 'National Health'. Man muss nicht besonders gut kombinieren können um zu merken dass das Lied ein Loblied auf Masturbation ist, aber wenigstens dieses kleine Ausmaß an Verklausulierung ist wirklich erfrischend auf diesem doch so unverklausulierten, recht stupiden Album. Die Musik ist auch nicht so sehr berechenbar wie in den anderen Liedern. Die andere dankenswerte Ausnahme ist 'Little bit of Emotion'. Allein der Umstand eine Akustikgitarre zu hören lässt aufhorchen. Es ist gefühlt das einzige Lied was nicht auf dicke Hose macht (um das mal auf Albumniveau auszudrücken). Auch wenn dieses Lied ebenfalls nicht zu den wirklichen Kinks-Großtaten gehört, so erinnert es zumindest im Ansatz an die besseren Zeiten der Band.

Naja, zusammengefasst, der monetäre Zweck heiligt in dem Fall die musikalischen Mittel. Und, besonders die Wandelbarkeit der Kinks über die Jahrzehnte ist das großartige für mich an dieser Band. Wenn mal was dabei ist was mir so garnicht zusagt, ist das nicht weiter schlimm. Ich weiß, das Album hat viele Fans, und das mag aus diversen Gründen sogar berechtigt sein, nur meinen Nerv trifft es nicht. Nach diesem Ausflug hat Ray Davies auf den folgenden Alben zum Glück zu seinen Stärken zurückgefunden.

Kommentare :

  1. Nur soviel: genau auf der Tour zu diesem Album hab ich sie zum 1. Mal live gesehen und war total geflashed - wie virtuos Dave Davies sowohl Rhythmus als auch Leadgitarre spielte hat mich schier umgehauen und komischerweise konnte ich viele Lieder mitsingen, obwohl ich die Kinks in den 70ern gar nicht mehr wahrnahm. Gottseidank hat mich mein Bruder zu diesem Konzert mitgenommen - seitdem sind und bleiben sie für mich die Nr. 1! God save the Kinks und Rock mit Eiern ;-)

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  2. Ich glaube ich hätte das Konzert auch sehr gut gefunden, schon deshalb weil es ganz anders gewesen sein muss als man sich das vorstellen würde wenn man nur das Material aus den 60ern kennt.
    Eierrockerbands sind mir nunmal suspekt, da kann ich nichts gegen machen. :D

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