Donnerstag, 11. Oktober 2012

Erinnerungen an Nils Koppruch

© Grand Hotel Van Cleef
Leider habe ich nie Fink sehen können, Nils' großartige Band, die sich 2006 aufgelöst hat. Ich war nur ein bisschen zu spät, denn im Mai 2007 entdeckte ich ihn für mich. Er spielte mit seiner neuen Band im Gleis22 ein schönes Konzert, und vom ersten Hören an hatte es etwas Anziehendes. Es war irgendwie anders, und ich verstand am Anfang garnicht so recht worin dieses Andersartige wirklich lag. Die seltsamen Texte? Diese Americana-mäßige Musik? Heute ist mir klar, das ist es nur vordergründig. Eigentlich war es Nils' Präsenz. Diese Mischung aus Melancholie und Fröhlichkeit, und seine schüchterne, liebevolle Art mit den Leuten zu reden. Das hat mir gefallen; es war etwas Besonderes.

Woran ich mich auch sehr gerne erinnere ist ein Premierenabend von Wasser & Seife, einem Dokumentarfilm über die Mitarbeiterinnen einer Wäscherei in Hamburg, für den Nils Koppruch den Soundtrack gemacht hat. Das war zwei Jahre nach dem Konzert im Gleis und ich ließ mir bis dahin leider jede Gelegenheit ihn zu sehen durch die Lappen gehen. Deswegen war die Vorfreude groß, und der Abend war es auf eine wundervolle Art auch. Neben Nils waren auch die liebenswerten 'Hauptdarstellerinnen' anwesend und man konnte sehen, wie sehr sich diese Welt von ihrem normalen Alltag der letzten 40 Jahre unterschied. Zwischen ihnen stand Nils, gelassen und sehr nett. Er wurde von den Frauen tief in ihre Herzen geschlossen, das merkte man sofort. Es sah aus als sei er adoptiert worden. Dort trafen ganz unterschiedliche Welten aufeinander, aber Nils mochten alle. Kurz bevor er zum Schluss noch ein paar Lieder spielte schnappte sich eine der Frauen das Mikrofon. Aus dem Film wusste man wie sehr sie an und unter der Armutsgrenze leben, aber in diesem Moment bittet sie nicht etwa um ein wenig Unterstützung für die Arbeiterinnen, was völlig berechtigt gewesen wäre – nein, sie sagt 'Leute! Der Mann hat eine Familie! Kauft seine CDs!' und noch ein paar andere liebevolle Sätze, an die ich mich leider nicht mehr genau erinnere.

Nils hat sich in die Herzen von vielen Menschen gesungen. Er wird fehlen - vielen Freunden, aber auch den Bühnen im Land und dem vermutlich immer begeisterten Publikum. Was bleibt ist die Musik, und an der können wir uns alle erfreuen.

Ich hatte schon seit Monaten vor ihn unbedingt mal wieder Solo zu sehen, aber leider war ich wieder zu spät.

P.s. Es gibt sehr viele herzliche Nachrufe auf Nils Koppruch - besonders berührend finde ich den Nachruf von Tino Hanekamp. Er trifft wohl die genau richtigen Worte.

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