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Samstag, 11. Februar 2012

Shoot Down the Moon - Swollen Teeth

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Seine Band nach einem Lied von Elton John zu benennen ist die eine Sache. Sein Debütalbum dann auch noch "Swollen Teeth" zu nennen, die andere. Wir finden, dieser Band (die bis jetzt noch kein Plattenlabel gefunden hat) muss Bewunderung entgegengebracht werden. Nicht nur, weil sie unangenehme Themen ansprechen - sie hören sich auch noch phantobiastisch an.
Und wie die gute alte Tante auf sie gestoßen ist? Na über die Team Love Library. Ein Besuch ist da immer lohnenswert. Doch bevor nun die Team Love Library Gegenstand dieses Beitrags wird: ladet alle 'Swollen Teeth' darnieder, wie es die Türen sagen würden. Jedoch legal. Und hier ist Rock nicht tot. Nein, hier ist Rockmusik noch ganz schön vital und so unglaublich wohltuend, das man beinahe meinen könnte, 'Swollen Teeth' sei ein erfreulicher Zustand.



Nachdem jetzt nun hoffentlich jeder Mensch, der sich verirrt hat, die ersten Zeilen dieses kreativ kritischen Senfes zu lesen, das Album umsonst heruntergeladen hat, können wir ja von vorne anfangen. Und da bleibt uns schonmal kurz der Atem weg. Wie die jungen Burschen aus Milwaukee da einsteigen: die Gitarren klingen danach, als seien sie nur für diese Melodie geschaffen worden. Dann ein Klavier und hoppla, fängt da ein Lied im Lied an? Und dann "Maybe I am just crazy but everyone hates me most of the time". Liebe jungen Menschen der Band Shoot Down the Moon: wenn ihr angetreten seid, das Erbe des wundervollen Elliott Smith anzutreten - bei mir kommt ihr damit durch! Es geht um Drogen, es geht um Leid, es geht um, ja, darum, dass alles alt wird. So ist das nun einmal von Tag zu Tag. Und wer das nicht wissen möchte, der höre sich dieses Album nicht an. Das sind unbequeme Wahrheiten, die da ausgesprochen werden und doch ist es irgendwie einfach nicht schlimm. Es verstört nicht, es tut nicht weh. Ein kleines bisschen ist es so, als würde man zusammen mit Shoot Down the Moon lernen: Es ist zwar alles schlimm, aber nicht so schlimm, wie es scheint.
"I think I woke up alive and then I thought I'd swallow my pride." Einen anderen Namen als "My, Oh My" für dieses Lied hätte es nicht geben können. Anders kann man nicht umschreiben, was die Herren in und mit diesem Lied geschaffen haben. Wüsste man nicht, wie das Lied heißt, so würde man wahrscheinlich (wenn denn Englisch die Muttersprache ist) genau so reagieren. Meine Güte, was gibt es doch noch großartige Musiker auf dieser Welt! Da ist ja doch noch nicht alles verloren, auch wenn es die eigene pessimistische Weltanschauung manchmal vermuten lässt. Shoot Down the Moon müssen nur noch eine Sache lernen: was sie da machen, das ist kein Indierock. Das hat eine größeren Wert als Indierock. Werter Leser, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich mag Indierock. Doch der Begriff kann einfach nicht umschreiben, was da passiert. Das ist Popmusik in ihrer wunderschönsten, unaufgeregtesten Erscheinung. Im nächsten Moment dann aber wieder Folkmusik, die sich beinahe so wichtig anhört, als würde man sie schon seit Jahrzehnten zitieren. Eine ruhige, sich selbst nicht zu seriös nehmende Protestbewegung. Musikalisch - versteht sich.
Ach Mensch, jetzt muss es gesagt werden: Swollen Teeth ist ein Album, dass dich einfach nur in den Arm nimmt, wenn du da sitzt nicht gar nicht erwartest, dass etwas Bedeutendes passiert. Es erzählt dir die Weisheiten des Lebens auf so eine wundervolle Art und Weise, dass du weinen möchtest. Und vielleicht immer noch gerührt bist, wenn du irgendwann mal die Musik ausmachst und ins Bett gehst. Du gehst dann als glücklicherer Mensch ins Bett. Denn du hast diese Musik entdeckt und bist ein Stück reicher. Nicht materiell, vielleicht auch nicht geistig - aber reicher um so ein Gefühl. So ein My, Oh My eben.
So. Und jetzt hören sich bitte alle Menschen dieses Album an. Und sind glücklich. Danke.

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