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Mittwoch, 3. August 2011

Kleinode deutschsprachiger Musik (14): Blumfeld - Draußen auf Kaution (1994)

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In einer losen Serie stelle ich Werke vor, die vordergründig eines gemeinsam haben: Sie wurden in deutscher Sprache verfasst. Das alleine ist natürlich keinerlei Qualitätskriterium. Nein, mich interessiert ein kreativer Umgang mit selbiger.

Blumfeld © unbekannt / skyeyeliner.endorphin.ch
Mit Blumfeld ist es keine einfache Angelegenheit. Die frühen Veröffentlichungen sind sperrig und dekonstruiert, während die späteren in ihrer 'schlageresken', glatten Art viele vor den Kopf stießen.
Gibt es etwas dazwischen?
Ja, so einiges. Und zu diesen Werken zählt Draußen auf Kaution, dass erste Lied auf dem 1994 erschienen Album L'etat et moi.

Das Intro foltert den Hörer erstmal etwas - fast 50 Sekunden lauter und leiser werdende Hubschraubergeräusche. Nachdem man das durchgestanden (oder vorgespult) hat, erwarten eine antreibende Gitarren und Jochen Distelmeyer in lyrischer Bestform. So depressiv der Text daherkommt - am Ende hat es doch was versöhnliches, was man nach über 3 Minuten nicht mehr erwarten würde, besonders nicht nach dem zweiten Mal "tiefer ins alleine sein" am Ende der zweiten Strophe. Plötzlich werden Rhythmus und Gitarre viel aufgewühlter und hastiger, und Distelmeyer findet seinen Optimismus wieder, so scheint es. Genau genommen ist die Kombination aus dem Titel Draußen auf Kaution und dem Ende der letzten Strophe doch sehr morbide und Serienkillermäßig. Aber er ist glücklich, immerhin.

Mir gefällt an diesem Lied ganz besonders der perfekt mit Text und Musik abgestimmte Spannungsbogen - eines der großartigsten Blumfeld-Kleinode, welches trotz Singleauskopplung nie so richtig gewürdigt wurde.
Vor meinem Fenster fängt es an sich zu bewegen
ein neuer Tag nimmt seinen Tageslauf
einer mehr, an dem ich aufstehen muß,
um irgendwas zu tun gegen den Schmerz
das Stechen im Kopf das Stechen im Herz
treibt mich nur tiefer in den Kummer rein
und tiefer ins Alleinesein
Überall sind Menschen in den Straßen
kenn ich nicht gehöre nicht dazu
frage mich zu wem ich denn gehöre
und wenn wer zu mir spricht hör ich nicht zu
ich sehe Dich und wie wir uns umarmen
wenn ich die Augen öffne war es wieder nur ein Traum
so geht es jeden Tag an jedem Morgen
tiefer ins alleine sein
Irgendwie geht's dann doch raus aus den vier Wänden
und draußen geht es dann zu jemand völlig anderm hin
so bin ich dann in dessen guten Händen
und glücklich, daß ich mit wem zusammen glücklich bin
am nächsten Morgen habe ich das alte Stechen
und neben mir liegt wer
der sich bald leblos an mich schmiegt
wie's dazu kam hab ich danach vergessen
stattdessen bin ich längst wieder am Werk
 

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