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Donnerstag, 19. Mai 2016

Status Pop :: Eine Kolumne // 'Deadpool' - Filmrezension

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Wir bei der Tante fragen uns oft, wie es möglich ist, verschiedenste Aspekte aus verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten.

Aus diesem Grund sind wir unglaublich froh, dass wir diese Kolumne hier ins Leben rufen können. In regelmäßig unregelmäßigen Abständen werden Schüler des Lycée Ermesinde Beiträge bei uns veröffentlichen. Über (Pop-)Kultur und allerlei Sachen, die sie beschäftigen und interessieren. Zwischendurch werden wir hier auch einige Texte aus ihrer Schülerzeitung 'Status Quo' veröffentlichen - die wir um Längen interessanter finden, als das, was die meisten 'Journalisten' Tag für Tag in die Welt posaunen. Wir wünschen viel Freude beim Lesen!

Deadpool [Filmrezension aus der Schülerzeitung Status Quo]

Regie: Tim Miller mit Ryan Reynolds, Ed Skrein, Morena Baccarin 
Dauer: 108 Minuten 
Altersfreigabe: +16 
Genre:  Action/Abenteuer/Komödie 
Meine Wertung: 3.5/4

Jedem Tierchen sein Pläsierchen und jedem (Anti-)Helden seinen Platz im MarvelUniversum: Doch Wade Wilson (Ryan Reynolds), alias Deadpool, schert sich reichlich wenig um Etikette und Ethik. Er ist die fleisch-gewordene „Pain in the Ass“, der Schritt in den Tritt – und gerade die vierte Wand* ist vor ihm und seinen Eskapaden nicht sicher. Mitunter ist der psychisch hochgradig instabile Supersöldner so sehr in den Dialog mit sich selbst vertieft, dass der Killerinstinkt vollkommen mit ihm durchgeht und das Marvel-Universum ihm mit rollenden Köpfen, abplatzenden Körperteilen und hervorquellenden Gedärmen den nötigen Tribut (Blut-)zollt.

Quelle
Nur gut, dass der „Merc with a Mouth“ neben formidablen Kampffertigkeiten und einem losen Mundwerk über schnell heilendes Wundfleisch verfügt. Er kann es gut gebrauchen.

Doch wie wurde Deadpool zu Deadpool? Wie so oft führt die Verzweiflung zum Irrsinn: Als der Elitesöldner Wilson tödlich an Krebs erkrankt, lässt er sich vom Recruiter (Jed Rees) für ein riskantes Experiment der Weapon XY-Reihe, äh, rekrutieren, das schon andere Elitekräfte hervorgebracht hat bzw. hervorbringen wird (u.a. Nuke, Wolverine, Fantomex). Es gibt ein böses Erwachen: Anstelle einer Entkrebsung verfügt Wade Wilson nun über erstaunliche Selbstheilungskräfte (wozu umprogrammierte Krebszellen gut sein können!) und einen entstellten Körper. Wird seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) ihn so nehmen, wie er ist? 

Ok, bevor wir zur eigentlichen Kritik kommen, hier ein kleiner Überblick von Aufbau und Plot jedes Superheldenfilms EVER: „Iron Man“: Iron Man bekommt seine Superkräfte (er lebt durch sein leuchtendes Metall-Herz), muss lernen, mit ihnen umzugehen, muss gegen den Antagonisten antreten, Ende. „Captain America: The First Avenger“: Er bekommt seine Superkräfte, muss lernen mit ihnen umzugehen, muss gegen den Antagonisten antreten, Ende. „Ant-Man“: Er bekommt seine Superkräfte (seinen Anzug), muss lernen mit ihnen umzugehen, muss gegen den Antagonisten antreten, Ende. „Der unglaubliche Hulk“: Er bekommt seine Superkräfte, muss lernen, mit ihnen umzugehen muss gegen den Antagonisten antreten, Ende. „Spider-Man“: Er bekommt seine Superkräfte, muss lernen mit ihnen umzugehen, muss gegen den Antagonisten antreten, Ende.

Das ist der Plot von gefühlt 1.986.346.246.3 56.435.567.456.355.146.808.097.098.899. 190.999 anderen Superheldenfilmen! Wird der immer gleiche Marvelous-Shtick nicht langsam nervig?

Auch war bisher jeder Superheldenfilm mit einer PG-13-Freigabe in den USA versehen (was hier bei uns eine Freigabe ab 12 wäre), weil … Studios ja Angst haben … wenn ein blutiger R-Rated (bei uns ab 16) Superheldenfilm die Jugendlichen nicht anspricht … ja dann wird’s ‚n Flop … Nein, nein, nein! Wir brauchen PG13-Superheldenfilme, um jüngere Zielgruppen anzusprechen! Oh Gott, ich hasse diesen Mist!

Aber jetzt hat ein Studio in Hollywood (20th Century Fox, die sich wenigstens EINMAL nicht in ein Filmprojekt eingemischt haben, wofür sie bekannt sind und wofür sie gehasst werden) den Mut dazu, einen R-Rated Superheldenfilm mit einer lustigen und beliebten Marvel-Figur zu drehen. Und was kommt am Ende dabei heraus: „Deadpool“! Auch hatte ich nach den lächerlich grottigen Trailern Angst, dass der Film Mist wird, besonders da er von 20th Century Fox vertrieben wird und jeder weiß, was für ein Haufen Superhelden-Abfall von Marvel sie letztes Jahr zu verantworten hatten, nämlich „Fant4stic“(„den 2015er „Fantastic Four“)! Ich habe zu diesem Haufen Abfall in meinen Top&Flops 2015 genug gesagt und muss nicht noch einmal auf dieses Thema zurückkommen. 

Der Film ist eben ein andersartiger Superheldenfilm und bedient nicht die üblichen Klischees (keine SuperheldenOrigins-Geschichte): Er ist vielmehr lustig und brutal bis zum geht nicht mehr. DAS ist ein Superheldenfilm nach meinen Geschmack!

Warum? Der Film hat viele lustige und coole Sprüche, tolle Gags. Er nimmt sich überhaupt nicht ernst, im Gegenteil. Ryan Reynolds parodiert sich selbst und es gibt bspw. Seitenhiebe auf die X-Men-Filme: „You’re probably thinking ‚Whose balls did I have to fondle to get my very own movie?‘ I can’t tell you his name, but it rhymes with ‘pullverine.’“ Das macht den Film so … einzigartig. Daneben zerbricht die Hauptfigur immer wieder die vierte Wand und wendet sich direkt an die Zuschauer. 

Auch bei den Opening-Credits beweisen die Macher Mut. Anstelle von „mit Ryan Reynolds, produziert von blabla, Drehbuch von blabla“, schreiben sie:  „Mit dem größten Vollidioten des Planeten, einem Comic Relief Charakter, einer heißen Braut, einer CGI-Animation, ... geschrieben von den wahren Helden. Regie führte ein überbezahltes ‚tool‘“. Da kann ich Fox nur meinen Respekt aussprechen, dass sie so viel Kreativität zeigen und mit den Gewohnheiten brechen. Insgesamt ein gelungener Superheldenfilm, den ich jedem empfehlen würde.
- Damir

* Man spricht von der vierten Wand, wenn sich ein Darsteller in einem Film oder einem Theaterstück direkt an das Publikum wendet.

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