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Sonntag, 10. Oktober 2010

Interview mit Alin Coen - "Pflanz einen Baum ist unser Metalstück"

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Die Alin Coen Band ist die musikalische Hoffnung aus Weimar. Die gebürtige Hamburgerin veröffentlichte 2010 ihr erstes Album Wer bist du? und tourt damit durch Deutschland. Musik machte Alin schon immer: als Kind bekam sie Klavier- und Gitarrenunterricht und wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Allerdings dauerte es etwas, bis sie „richtig“ zur Musik fand.
Christine Weingarten sprach mit ihr über ihr einstiges Weltenbummlerdasein, warum sie ausgerechnet in Weimar anfing zu studieren und natürlich über ihre Musik.


Nach dem abgebrochenen Medizinstudium in Hamburg bist Du umhergereist. Zuerst Indien und anschließend Schweden. Viele gehen nach Indien, um sich selbst zu finden. War das bei Dir auch so?
Indien war ehrlich gesagt kein Selbstfindungstripp, sondern einfach das Gefühl, allein ganz weit weg zu müssen und wohin zu gehen, wo es etwas exotisch ist. Es war aber nicht aus diesem Gefühl heraus, wer bin ich. Ich wollte mich einfach etwas trauen, nämlich alleine irgendwohin als 19jährige in die weite Welt zu gehen.

Danach bist Du nach Schweden gegangen. Was hast Du da gemacht?
In Schweden habe ich auf einem Ökobauernhof bei einer Familie gewohnt. Ich lernte die Leute kennen, weil ich mich auf dem Weg zur Bibliothek verlaufen habe. Wir haben uns unterhalten und sie boten mir am gleichen Tag an, auf ihre Kinder aufzupassen und ein halbes Jahr nach Schweden zu kommen, und das hab ich gemacht. In Schweden habe ich nicht studiert. ich wusste nur, ich wollte auf einen Bio-Bauernhof.

Beide Reisen trugen dazu bei, Dich musikalisch zu finden…
Ja, das stimmt. Während dieser Zeit bin ich darauf gekommen, dass ich total gerne selber Musik mache. In Schweden habe ich dann auch mit dem texten und komponieren begonnen.

Trotz des Wunsches Musik zu machen, hast Du angefangen zu studieren.
Als ich aus Schweden wiederkam musste ich mir überlegen, was ich mache, wenn ich keine Ärztin werde und dann dachte ich mir, dann werd ich halt Ingenieurin und habe Umweltschutztechnik in Weimar angefangen zu studieren.

Aber Weimar ist jetzt auch eher Provinz und nicht unbedingt eine Stadt, die bekannt dafür ist, große Musiker hervorzubringen..
Ich hab mich bewusst für Weimar entschieden, weil ich aus einer Großstadt komme und einmal das Gegenteil erleben wollte. Ich wollte auch eine Uni, die nicht in einem Campus ist und auch eine Stadt, wo eine Musikhochschule ist, da ich wusste, dass ich dort Musiker finde und noch so ein bisschen am schwanken war, ob ich nicht doch Gesang studiere, falls es mit dem Infrastrukturding nichts wird. Aber ich hab’s durchgezogen und meinen Bachelor gemacht. Und durch die Band bin ich immernoch in Weimar verankert.

Band ist ein gutes Stichwort. Wie hast Du die gefunden?
Ich hab jeden einzelnen nacheinander kennengelernt. Anfang 2004 habe ich als erstes Jan kennengelernt. Von ihm habe ich ein Poster gesehen, da er selber auch Liedermacher ist. Ich hab ihn dann angerufen und gefragt, ob ich für ihn Vorband machen könne, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich nach jeder Möglichkeit gesucht um aufzutreten. Das hat funktioniert und dann sagte er, lass uns doch mal beide Musik machen und so haben wir eine Weile als Duo zusammengespielt. Mitte 2004 ging er nach Finnland und ich habe mit unserem Bassisten Philip angefangen zu spielen. Ihn habe ich über eine Freundin kennengelernt. Dann ging ich 2006 für ein Jahr nach Australien und als ich zurück kam beschloss ich mit meinem ehemaligen Mitbewohner Fabian (Schlagzeuger), Philip und Jan eine Band zu gründen. Das erste Konzert als Band gaben wir dann 2007.

Wie würdest Du deine Musik beschreiben? Journalisten wollen das ja immer wissen und in Schubladen packen…
Hm, also als Künstler mache ich ja am liebsten Musik und will keine Zeit damit verbringen mir zu überlegen, wie ich sie beschreiben kann. Aber es fällt nicht so schwer, das in eine Kategorie zu packen. Es ist eindeutig beeinflusst durch Singer/ Songwriter und vom Folk. Das jetzige Album ist ganz klar von der Musik inspiriert, die ich selber höre, z.B. Ani DiFranco und Joni Mitchell.

Woher kommt die Inspiration für die Lieder?
Die Inspiration kommt von dem, was um mich herum geschieht: einige Lieder handeln von Leuten aus meiner Umgebung. Andere sind von Unterhaltungen inspiriert, die ich mit Leuten führte.

Wann und wie entstehen die Songs?
Meistens schreibe ich, wenn ich unterwegs bin, etwa im Zug. In Schweden habe ich vor allem nachts gearbeitet, aber es gibt keine bestimmte Tageszeit, an der es am besten geht. Ich glaube, ich muss einfach eine gewisse innerliche Aufgewühltheit empfinden um zu schreiben. Musikalisch weiss ich relativ schnell, wie der Song von seiner Struktur aussehen soll. Am Text sitze ich meistens länger. Manchmal dauern die kürzesten Lieder am längsten. 'Wolken' hat zum Beispiel ein halbes Jahr gedauert, ehe der Song fertig war.

Die Stücke des ersten Albums hast Du allein geschrieben. Wie hören sich denn die neuen Lieder an?
Die neuen Stücke werden etwas anders klingen, da wir jetzt als Band an die Lieder rangehen. Vorher hab ich sie allein geschrieben und zur Probe mitgebracht. Jetzt fangen wir damit an, als Band im Proberaum zu jammen, bis irgendwas dabei entsteht, was ist wie wir das Lied empfinden. Die neuen Lieder werden ganz anders, etwas experimenteller. Es wird weniger liedermäßig, sondern mehr soundmäßig.

‘Pflanz einen Baum’ ist ein ganz besonderes Stück, dass auch Namensgeber für Euer Label ist..
Pflanz einen Baum ist unser Metalstück. Das war eines unserer ersten Lieder und zum Scherz haben wir ein Metalstück gemacht, und ich hab mir überlegt, was für ein Text passt so gar nicht auf ein Metalstück – und dabei kam dann “Pflanz ein Baum” raus. Seitdem machen wir das manchmal als Zugabe einfach zum Spaß. Für uns ist das aus einem Scherz heraus entstanden, aber auf der anderen Seite schlummert da vielleicht etwas von meinem Umweltschutzstudium rum.

Auch Ihr hab Euer eigenes Label gegründet, um Eure Musik zu veröffentlichen. Warum geht Ihr diesen Weg?
Wir haben damals Labels angeschrieben und einige meldeten sich auch zurück, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es gerade so angebracht war, mit einem Major zusammen zu arbeiten, da die Vorstellungen doch weit auseinander gingen. Jetzt haben wir alles selbst in der Hand und das ist gut so. Wir haben vorher eh alles in Eigenregie gemacht und mit unserem Label „Pflanz einen Baum“ wurde es uns relativ leicht gemacht, da wir Kontakte zum Vertrieb und Promoter hatten und nicht bei Null anfangen mussten.

Seit August tourt Ihr mit „Wer bist du?“ durch Deutschland. Immernoch aufgeregt?
Oh ja! Wenn ich aufgeregt bin, dann kribbelt es in meinem ganzen Körper. In den Füßen, den Händen – überall. Wie eine lebende Brausetablette. Dazu kommt noch so eine innere Unruhe im Brustkorb. Aber es geht.

Das Interview führte nicht ich - Christian - sondern Christine Weingarten, eine Freundin von mir, der ich hiermit herzlichst dafür danken möchte.
Ebenfalls danken wir Alin Coen, dass sie sich eine halbe Stunde für uns Zeit genommen hat, kurz vor einem wunderschönen Konzert im Privatclub in Berlin am 27.9.2010.

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