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Mittwoch, 22. April 2015

They Might Be Giants - Glean

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They Might Be Giants - Glean

Wir starteten ins Jahr mit einer frohen Kunde von They Might Be Giants, nämlich der Wiederbelebung der legendären Dial-A-Song-Aktion mit moderneren Mitteln als ein Anrufbeantworter. Seitdem landet pünktlich einmal die Woche ein neues Lied im Netz, für lau bei Youtube. Trotzdem verzichtet die Band dankenswerterweise nicht darauf eine Auswahl auch als ganz normales Album zu veröffentlichen.

Glean vereint einige der Highlights, aber auch (bislang) unveröffentlichtes Material. Als Album verfolgt es kein bestimmtes Konzept, sondern sieht sich wohl eher als buntes Sammelsurium. Die Lieder am Stück, und nicht peu à peu jede Woche ergeben allerdings eine hinreißende Ideenwelt, wie man sie von They Might Be Giants in ihren besten Zeiten gewohnt war.

So schafften es einige, sagen wir mal nicht alltägliche Problembesprechungen auf die Platte, wie beispielsweise 'Hate The Villanelle' über den Hass auf eben jene Gedichtvariante aus dem 17. Jahrhundert. Muss ja auch mal gesagt werden. (Und, ist das ein Toilettensitz als Rhythmusinstrument?)
Don't hate the villain! Hate the villanelle
With these picky rules and odd jigsaw rhymes
Curses! These verses are my prison cell

At school I ran from the very first bell
The teacher's ruler, those maddening chimes
Don't hate the villain! Hate the villanelle!
'Music Jail, Pt. 1 & 2' ist eine der seltsamsten Abrechnungen mit den (freiwilligen) Einschränkungen der Musikschaffenden in enge Genreabgrenzungen. Als They Might Be Giants kann man sich ein solches Lied zu Recht erlauben.

In der mysteriös, gut, aber muss man so stehen lassen-Ecke sticht 'Answer' heraus. Eigentlich klingt das Lied sehr gerade heraus, aber es wird nicht aufgelöst was eigentlich diese Antwort sein soll, bzw. scheint es von Strophe zu Strophe zu variieren.
Nicht überraschend aber überragend ist ein Lied über ein ebenso ärgerliches, aber kleineres Alltagsproblem, nämlich das mit hochinteressantem Effekt gegen Ende versehende 'Unpronounceable'.

Zwei Lieder sind den Geschlechterrollen gewidmet. 'All The Lazy Boyfriends' bietet als poppige Hymne an eben diese schon alle wesentlichen Zutaten zu einem kleinen Hit, aber ein Albumhighlight ist zweifelsohne 'Madame, I Challenge You To A Duel'. Schon die Vorstellung diese Textidee zu haben ist zum kreischen. Die Umsetzung lässt keine Wünsche übrig, Text und Musik zeigen die Band auf einem kreativen Höhepunkt.

Madam, you mistake me for a fool
Yes, your little dog may hold the pistols
Although he seems high strung

Madam, I challenge you to a duel
My second warned you to be careful
That bell can’t be unrung
Die letzten beiden Highlights seien noch erwähnt, nämlich die Lieder über schmerzlich böse Beziehungsenden. 'Let Me Tell You About My Operation' swingt so schön zur nötigen Erinnerungsentfernung. Man kennt das, manchmal wünscht man sich schon so ein praktisches Blitzdingsgerät aus Men in Black. Hier ist zwar noch eine Operation nötig, aber es scheint sich gelohnt zu haben. Das andere grandiose Werk zum Thema heißt 'Erase' und ist eines der wunderbarsten Lieder aus der Feder der Band. Der Text beweist, sollte er leicht autobiografische Hintergründe haben, eine leichte Gereiztheit beim Autor, die wohl mal ein paar klare Worte hervor brachte.
when darlings must be murdered
when your heartbreak overwhelms your heart

think of this as solving problems that should never have occurred
please don’t call it strangulation, that is such an ugly word

press erase, ignore the shrill alarms
see the way the deep sea diver falls into the mermaid’s arms
put one box on the sidewalk then you return with the next and the first one’s gone
everyone gets on the bus out of town and the lights start going out one by one
Knapp die Hälfte des Albums blieb an dieser Stelle namentlich unerwähnt, lohnt sich aber ebenfalls. Es ist höchsterfreulich They Might Be Giants nach all den vielen Jahren als Band mit dieser phänomenalen Schaffenskraft zu hören. Das Album kann ohne Einschränkungen empfohlen werden.

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