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Donnerstag, 9. April 2015

Musik und Nebenwirkungen: Das sind Geschichten, in Büchern gelesen

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Ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung, und eine deutliche Verbesserung des Originals.

Die Welt ist voller schönem, wertvollem Wissen, doch muss es oft appetitlich serviert werden, damit mehr als eine kleine Anzahl Nerds es in sich aufnimmt. Ein Weg dies zu erreichen ist die geschickte Verpackung in auf welche Art auch immer für Menschen bedeutsame Lieder.

Als ich, vor vielen vielen Jahren, mit dem Punk sozialisiert wurde, war es natürlich unvermeidlich die London Calling in die Finger zu bekommen und zu lieben. Darauf werden viele interessante Sachen erzählt. Ein Lied heißt 'Spanish Bombs' und handelt unter anderem vom Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939. Dies wurde nie in der Schule behandelt, und so war es damals (ich hatte noch kein eigenes Internet zu Hause, liebe Kinder) die erste und einzige Erwähnung dieser doch tragischen Geschehnisse rund um Franco, Nazis und Anarchosyndikate, welche mir zu Ohren kam. Natürlich passt nicht alles in drei Minuten, doch es verleitete mich in Büchern (ja, immernoch kein Internet - das gab es nur per Modem in der Stadtbibliothek für 5 DM die Stunde) darüber zu lesen. Dieses ist nur eines der vielen Beispiele, was moderne Musik bewirken kann wenn man es zulässt. Botschaften sind sicherlich stark genreabhängig, und wer nur itz-itz hört ist außen vor, allerdings auch selbst schuld.

Die geschicktesten KünstlerInnen schaffen es aber nicht nur ein Gefühl, sondern auch Wissen zu vermitteln, sofern sie es denn möchten. Die höchste Form der künstlerischen Schönheit ist es natürlich, Menschen nachhaltig mit neuen Gedanken und Selbstreflektion zu beschäftigen. An dieser Stelle wollen wir uns aber auf die pure Wissensvermittlung beschränken. Oft entdecken Musikschaffende nach der Geburt der ersten Nachkömmlinge den inneren Rolf Zuckowski. Dies ist allerdings kritisch zu betrachten, denn den Job hat schließlich Rolf Zuckowski, und das gelungene Kinderlied ist eine hohe Kunst, die zumeist folgenschwer unterschätzt wird. Wenn die eigene Brut gequält wird, bitteschön. Aber dafür das künstlerische Schaffen auf ein unerträgliches Niveau absenken und damit die Öffentlichkeit nerven, das ist grob unnötig. Manche bekommen gerade noch rechtzeitig die Kurve wenn der eigene Nachwuchs offensichtlich selbst zu alt für den Quatsch wird oder jemand mal ein ernstes Wort mit den Damen- und Herrschaften redet. An dieser Stelle wären They Might Be Giants zu nennen, die sich durchaus tief im Kinderliederland verloren hatten, aber dann doch auf den Pfad der feinsinnigen Popmusik zurückgefunden haben. Manchmal ist die Idee einfach gut und es bleibt bei einzelnen Machenschaften in dieser Richtung, wie beim wunderbaren Konzeptkinderpopalbum Smile Mile von The Benjamen.

In der Erwachsenenbildung muss es, wie auch sonst im Leben, für jedes Bildungsniveau ein entsprechendes Angebot geben. Bei Blumfeld muss man schon sehr sattelfest in den Schwerpunkten Literatur, Griechische Mythologie und sonstige Edeldisziplinen des eurozentristischen Bildungskanons sein um einen Erkenntnisgewinn zu schöpfen. Bei Heino hingegen kann man beispielsweise lernen dass der Enzian blaue Blüten hat.

Irgendwo dazwischen ist das Projekt Historyteachers angesiedelt. Poppige Popsongs werden mit Texten zur mehr oder minder wohlbekannten ferneren Historie besungen und so in die Gehörgänge der Rezipienten gezwungen. Doch wer ist das? Ein guter Teil der Liedauswahl besteht aus vergilbten Schinken von Nancy Sinatra, The Zombies oder The Beatles. Uns sind jene Altwerke lieb und teuer, und deswegen finden wir vor allem jene großartigen Schöpfungen wie 'The Canterbury Tales', 'Anne Boleyn' und natürlich 'Renaissance Man' großartig. Sollte die Zielgruppe allerdings nicht der zottelige Althippielehrer sein, sondern seine pubertierenden Schüler, ist das vergebene Liebesmühe. Manche der Originalinterpreten stehen doch selbst kurz davor in jenen Liedern besungen zu werden. Zugegeben, man hat auch Lady Gaga und Britney Spears vertont, aber das wirkt wie eine hilflose Ranwanzung an die Zielgruppe, und die Zielgruppe durchschaut das!

Wir genießen auf jeden Fall jene Bildung kombiniert mit altehrwürdigen Hits und hoffen dass nicht allzu viele Missverständnisse zwischen Lehrende und Rumschülernde entstanden ob der Hippness dieser Videos.

Als Kompromiss zwischen und jung und nicht mehr ganz so jung bietet sich doch 'Ancient Minoan Civilization' an, oder noch besser unser absoluter Favorit: 'Joan of Arc'



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