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Mittwoch, 11. Mai 2011

Kleinode deutschsprachiger Musik (2): Claire Waldoff - Ne dufte Stadt ist mein Berlin (1911)

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In einer losen Serie stelle ich Werke vor, die vordergründig eines gemeinsam haben: Sie wurden in deutscher Sprache verfasst. Das alleine ist natürlich keinerlei Qualitätskriterium. Nein, mich interessiert ein kreativer Umgang mit selbiger.

Claire Waldoff ©Deutsches Bundesarchiv
Jetzt wirds etwas lokalpatriotisch. Claire Waldoff gilt gemeinhin als Berliner Original (obwohl, wie könnte es in dieser Stadt anders sein, aus Gelsenkirchen zugewandert) und war eine bekannte Sängerin in den 1920er Jahren. Das spannenste an ihrer Biografie ist sicherlich der offen lesbische Lebenswandel mit ihrer Lebensgefährtin und in Clubs zu dieser Zeit. Da sie zudem auch noch u.a für die kommunistische Rote Hilfe sang beendete das Naziregime ihre Karriere.

Wie soviele andere Künstler aus dieser Zeit konnte sie nach dem Krieg leider nicht mehr Fuß fassen und starb nahezu vergessen und verarmt in einem kleinen bayrischen Kaff, in das sie sich mit ihrer Lebensgefährtin während des Krieges zurückzog. Es ist schwer sich für ein spezielles Lied zu entscheiden - es gäbe so einige, über die man an dieser Stelle was schreiben könnte. Ausgewählt habe ich eine im Jahr 2011 genau hundertjährige, frühe Aufnahme von ihr.


Ne dufte Stadt ist mein Berlin hat im Grunde kaum was an Aktualität verloren. Der Bogen, der aus dem doppeldeutigen 'dufte' geschlagen wird, ist auch heute noch im Prinzip nachvollziehbar. Die Einleitung ist, für die Kaiserzeit ungewöhnlich, überhaupt nicht chauvinistisch in Bezug zu den anderen genannten Städten. In den folgenden Strophen werden von ihr uns nicht unbekannte Themen wie Umweltverschmutzung, Berliner Freundlichkeit im Straßenverkehr (ok, hier noch mit Kutscher in den Hauptrollen, aber sonst...), die Freuden des S-Bahn-fahrens sowie urbane Promiskuität besungen, wie nur Claire Waldoff es konnte.

Es gibt von ihr noch viele wunderbare Klassiker zu entdecken. Kompilationen sind schon für kleines Geld zu haben und sorgen für Freude vor der heimischen Stereoanlage.


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