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Dienstag, 19. Januar 2016

Dota - Keine Gefahr

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Man braucht keinen neuen Lieder mehr, Funny hat alle geschrieben.
Nur dieses eine hier ist für mich übrig geblieben.
- Spiegel der Zeit
Der Versuch über dieses Album zu schreiben muss wohl fast zwangsläufig mit diesem Textzitat verbunden sein. Das Zitat erscheint auf den ersten Blick deplatziert, ist es doch eingebettet in fast 20 (je nach Auslegung des Begriffes) neue Lieder.
Andererseits ergibt alles sehr viel Sinn, denn viele langjährig aktive Liedtexter*innen benennen die Suche nach immer neuen Themen als mühevollste Aufgabe. Das Feld neuer Musikvariationen ist hingegen trotz der nur 12 verschiedenen Töne schier unerschöpflich.
Grob unterteilt sind alle Themengebiete nach ein paar Alben abgegrast. Es bleibt nur ins Detail zu gehen, die ein oder andere Lücke zu schließen, ein gelungenes Konzept weiter zu entwickeln, und natürlich bei der Musik mehr zu experimentieren. Alles das macht die Band, und es steht ihr gut.

Nachdem das letzte Album eher subtiler gestrickt war, wird auf Keine Gefahr das glasklare Statement nicht gescheut. Kein (mir bekanntes) Lied der letzten Jahre bringt die Diskussion um flüchtende Menschen so sehr auf den Punkt wie 'Grenzen'. Diese oft eher umständlich formulierbare humanistische Haltung wird auf gut vier Minuten verdichtet.
Jeder Übergriff, jeder Schlag verletzt ein Menschenrecht.
Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut und die Grenzen der Menschen so schlecht?

Sie müssen nicht zwischen den Ländern verlaufen, aber zwischen den Menschen.
Nicht aus Stacheldraht sollen sie sein, sondern aus Respekt. Es gibt Grenzen.
Keine Gefahr möchte alles sein. Das musikalische Experiment, zu hören in den erstaunlich elektronischen Tönen vom tollen 'Die Diebe'. Aber auch ihr alter Hit 'Ohrsteckermädchen' findet mit 'Rennrad' eine würdige Fortsetzung.
Da geht er hin mit seiner Schnalle, sie passt sehr gut zu ihm.
Im Falle einer Trennung der beiden möcht ich wetten, sie bleiben jeder nicht lang allein.
Nur für mich bleibt alles beim Alten.
Und ich kann die Katze behalten.
Doch vielleicht kauf ich mir ein Rennrad und zieh in den Süden.
Vielleicht wird da was draus!
Denn es dort rum zu schieben sieht sehr gut aus.
'Vergiftet' glänzt ebenfalls mit elektronischem Antlitz, und ist nur folgerichtig ob der fast jährlichen Teilnahme der Band an der großen 'Wir haben es satt'-Demo in Berlin. Das Lied kann gerne der neue Demo-Soundtrack sein.



Der Rest des Albums ist eher zurückhaltend und introvertiert. Der schweigsame Mensch wird in 'Stille Wasser' sogar direkt thematisiert. Auch wenn wir das Geheimnis vielleicht garnicht verraten sollten, aber es versteckt sich noch ein Lied am Ende des Albums, das für Menschen bis zu einem Alter von sagen wir mal sechs Jahren möglicherweise etwas gruselig ist. Die Musik könnte von Tom Waits stammen, das haben sie wirklich grandios umgesetzt.

Zum Album gibt es in der Limited Edition noch eine Bonus-CD mit vier Liedern, die wohl als B-Seiten zu verstehen sind. Es sind einige der Songskizzen, die Dota oft bei ihren Konzerten spontan einfügt, nur das ihnen auf der CD Anfang, Ende und durchdachte musikalische Bandbegleitung beigefügt wurden. Der Rezensent möchte kundtun, dass unter diesen Liedern einer seiner absoluten Dota-Lieblinge ist, und er sich sehr sehr freut dieses Lied endlich auf Tonträger zu besitzen. Es geht um 'Wahrscheinlich', ein wundervolles Lied über die unbegründete Hoffnung.
Ich will keine Beweise, niemals Beweise
Denn köstlich ist es zu denken:
Wahrscheinlich ist dein Akku leer gewesen[...]

Wahrscheinlich war da was im Wein
Wahrscheinlich sieht es anders aus in anderem Licht
Wahrscheinlich, wobei, wahrscheinlich nicht. […]

Eventuell geschieht die Zukunft
Voll von Dingen, an die ich jetzt so gerne denke
Und eventuell geschieht sie nicht
Aber wahrscheinlich sind unsere Fehler harmlos und verzeihlich
Wahrscheinlich hätten wir uns ohnehin verloren
Wahrscheinlich.
Geht es noch weiter? Ja. Wer die Limited Deluxe Edition ersteht, findet außerdem ein Live-Album in der Hülle. 20 Lieder, mal alte Hits, mal aktuellere Hits, und sogar die erwähnten kleinen Liedskizzen. Dazu gehören der mittlerweile kleine (und erstaunlich autobiografische) Hit 'Bald fang ich wieder an', sowie 'Geld' mit der Punchline „Geld verdirbt den Charakter“.

Für audiophile Menschen ist der Rest geeignet, denn es gab zwar schon sehr gute, aber noch nie so gute Liveaufnahmen der Band. Lieder wie 'Sommer', 'Licht' und 'Hoch oben' sind ihren Studiopendants voraus.

Wir fassen zusammen. In der Standard-Version ist es ein schönes, abwechslungsreiches Dota-Album mit elektronischen Highlights. Mit der Limited Edition kommen noch vier Lieder extra, von denen mindestens 'Wahrscheinlich' ein wunderbares Kleinod ist. Die Investition in die noch luxuriösere Limited Deluxe Edition lohnt sich aber auch, denn das Live-Album ist mitunter das beste der Band (wobei Das Große Leuchten auch schon ziemlich sehr gut war).
Ich bin mir deiner nicht gewiss
Und war es eigentlich nie
Das ist gut so
Oder jedenfalls gut so in der Theorie
- Stille Wasser

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